Fürsorge auf dem Gebiete des Krankenpflege-Unterrichts. 287
der Krankenpflege zu vermitteln. Unter diesen Errungenschaften sind anerster Stelle die Fortschritte zu nennen, welche das gesammte Kranken-pflegewesen ■ durch die Einführung der antiseptischen Methoden gewonnenhat und sodann die therapeutischen Vervollkommnungen in technisch-wissenschaftlicher Hinsicht, wie sie durch den Aufschwung des modernenKrankencamforts repräsentirt werden. Eine zweite ähnlich organisirteKrankenwartschule war bis vor Kurzem in Breslau vorhanden, ist jedochin letzter Zeit eingegangen. Ferner bilden eine Anzahl städtischer undprovinzialer Irrenanstalten nicht - genossenschaftliches männliches undweibliches Pflegepersonal aus und ertheilen ihm einen allerdings vor-zugsweise die Irrenpflege berücksichtigenden geordneten theoretischenund practischen Unterricht, der in den Händen erfahrener Aerzte liegt.Dass die genossenschaftliche Krankenpflege, wie sie durch die aus denAusbildungsanstalten der geistlichen und weltlichen Organisationen her-vorgehenden Pflegerinnen dargestellt wird, gegenwärtig noch auf einemdurchschnittlich höheren Niveau der Leistungsfähigkeit und in grösseremAnsehen sich befindet, verdankt sie hauptsächlich dem Umstände, dassdas den Verbänden sich darbietende Schülerinnen-Material sich im All-gemeinen aus gebildeteren Elementen zusammensetzt als das Schüler-und Schülerinnen-Material, welches sich dem Krankenpflege-Unterrichtin den Krankenwartschulen und in denjenigen Krankenanstalten dar-bietet, welche kein Genossenschaftspersonal anstellen. Es sind jedochin den letzten Jahren sehr bemerkenswerthe, erfolgreiche Bestrebungenvon ärztlicher Seite zu verzeichnen, welche bezwecken durch geeigneteMaassnahmen auch die Leistungsfähigkeit und das berufliche Ansehender nicht-genossenschaftlichen Pflegekräfte zu heben und auch den ausser-halb der genossenschaftlichen Verbände stehenden Pflegepersonen in er-höhtem Maasse Gelegenheit zu bieten sich gute Fachkenntnisse in syste-matisch geordnetem Unterricht anzueignen, gleichzeitig aber durchSelbsterziehung an der Förderung ihrer allgemeinen Bildung und ihresVerständnisses für die höheren Aufgaben des Krankenpflegeberufes mitzu-wirken. Somit dürfte in nicht zu ferner Zeit der vom ärztlichen Stand-punkt ausserordentlich wünschenswerthe Zustand eintreten, dass das ge-sammte Krankenpflegepersonal, dessen sich der Arzt sowohl in derHospital- als Privatpflege zu seiner Unterstützung bedient, im ganzenLande ein einigermaassen gleichmässiges Niveau der ethischen wie tech-nischen Ausbildung erreicht. Ein derartiger Ausgleich der in Fragekommenden Contingente hinsichtlich der beruflichen Leistungsfähigkeitscheint in der Gegenwart umso eher möglich, weil sich in den letztenJahren die Anschauungen über die an das berufsmässige Pflegepersonalzu stellenden Anforderungen in den Fachkreisen mehr und mehr geklärtund einander genähert haben, sodass bereits inbezug auf die wichtigstenUnterrichts-Fragen eine ziemlich grosse Uebereinstimmung eingetretenist. Besonders bemerkenswerth ist hierbei der Umstand, dass der ärzt-liche Einfluss auf die Ausbildung berufsmässiger Krankenpflegepersonenin der letzten Zeit in sehr erheblichem Maasse zugenommen hat, und