Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
285
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Fürsorge auf dem Gebiete des Krankenpflege-Unterriohts. 285

Auch in Deutschland wurden, in Anlehnung an das in England erfolg-reich durchgeführte Training-System, unter dem Protectorate hochstehen-der Persönlichkeiten in den grösseren Städten eine Anzahl von guteingerichteten Krankenpflege-Anstalten begründet, welche in der Haupt-sache den Zweck verfolgten, durch mehrjährige practische Schulung inder Krankenhauspllege ein numerisch den Bedürfnissen besser entsprechen-des und den ethischen und technischen Anforderungen gerecht werdendesPflegepersonal zu erziehen. Besonders erfolgreich haben den deutschenKrankenpflege-Unterricht für das berufliche Pflegepersonal gefördert diePflegerinnenschulo des Victoriahauses für Krankenpflege in Berlin, diePflegerinnenschule des Augustahospitals in Berlin und die von dendeutschen Vereinen vom rothen Kreuz begründeten Krankenpflege-An-stalten, welche Institute sich in den letzten Jahrzehnten zu ausserordent-licher Blüthe entwickelt haben. Durch die erfolgreiche Wirksamkeitdieser Krankenpflege-Anstalten, welche sich sämmtlich gleich bei ihrerBegründung des dauernden engen Anschlusses an geeignete Krankenhäuser,in denen nach ordnungsmässigem Plane die practische Ausbildung derSchülerinnen am Krankenbette vor sich gehen konnte, versicherten unddamit zugleich auch tüchtige ärztliche Lehrkräfte für den fachwissen-schaftlichen Theü des Unterrichts gewannen, wurde der Krankenpflege-beruf in Deutschland in seinem äusseren Ansehen erheblich gefördert,sodass im Gegensatze zu früheren Zeiten sich nunmehr auch Angehörigebesserer Volkskreise in grösserer Anzahl bereit fanden, sich der aus-übenden Krankenpflege berufsmässig zuzuwenden und in den genanntenAnstalten sich durch geordneten Unterricht heranbilden zu lassen. Ebensowie in England traten nun auch in Deutschland Mädchen und Frauenaus den höheren Ständen, welche ihre natürliche Begabung für dieKrankenpllegethätigkeit prädisponirte, in die weltlichen Schwesternverbändcein, welche sich auch von ärztlicher Seite in der Folge dasselbe Ansehenund Vertrauen zu erringen vermochten, das vordem nur den Mitgliedernder geistlichen Krankenpflege-Genossenschaften entgegengebracht wurde.Das neue Schulsystem für berufsmässige Krankenpllegepersonen mit seinergrösseren Betonung der geordneten practischen Ausbildung am Kranken-bette, seiner Erweiterung des Lehrpensums und seiner erheblichen Ver-längerung der Lehrzeit für die Auszubildenden übte sogar wiederum einenbefruchtenden Einfluss auf die aus früheren Zeiten überkommenen Kran-kenpflege-Genossenschaften und Krankenpflege-Institute aus, indem esdieselben veranlasste, sich mit vermehrter Aufmerksamkeit über alle Fort-schritte der technisch-wissenschaftlichen Krankenpflege zu informirenund ebenfalls die fachliche Ausbildung in höherem Maasse ins Augezu fassen. In dieser Hinsicht kommen in erster Linie die katholischenKrankenpflege-Vereinigungen und die Diakonen- und Diakonissen-Anstaltenin Betracht, deren innere Organisation ja mit derjenigen der von englischenVorbildern mehr oder weniger beeinflussten modernen deutschen weltlichenKrankenpflegerinnenschulen mannigfache Berührungspunkte beibehaltenhatte, welche vor Allem in der sog. Mutterhaus-Verfassung und dem