284 P.Jacobsohn,
nisse ärztlichen Einflüssen damals schon mehr Spielraum gegeben wurdeals in früheren Zeiten, war doch der Uebelstand nicht zu überwinden, dassdie Zahl der vorhandenen ethisch und fachtechnisch besser ausgerüstetenPflegekräfte eine viel zu geringe war. Einen sehr wesentlichen Fortschrittgewann der Krankenpflege-Unterricht durch die energische Wirksamkeitder Engländerin Ms. Nightingale, welche auf der Basis eifriger Studienim Auslande, darunter auch in Deutschland bei Fliedner in Kaisers-werth, die Ausbildung der Pilegepersonen auf ein erheblich höheresNiveau erhob. Sie machte es sich zur Aufgabe dem Mangel an mithöherer Allgemeinbildung versehenen Pdegekräften, in erster Linie weib-lichen, in grösserem Umfange abzuhelfen und bemühte sich mit Erfolg,Mädchen und Frauen für den Krankenpllcgeberuf zu gewinnen, welcheden besseren Volkskreisen entstammten und in einer guten elterlichenErziehung und Schulbildung mehr Garantien für die ethische Befähigungzu dem schwierigen Berufe darboten, als die Pilegepersonen älterenStiles. Gleichzeitig erkannte sie, dass auch die fachlich-technische Aus-bildung nach mancher Richtung hin noch einer Vervollkommnung dringendbedürfe. Während man bis zu ihrem Eingreifen das Hauptgewicht bei derHeranbildung von Krankenpilegepersonal auf die theoretische Unterweisunggelegt hatte, und die practische Ausbildung am Krankenbette selbst ent-weder gar nicht oder nur in beschränkterem Maasse zur Geltunggekommen war, legte sie den Hauptnachdruck auf die practische Schu-lung und Bethätigung am Krankenbette und wies überzeugend daraufbin, dass man bei Einführung eines längeren, systematisch gegliedertentheoretischen und ganz besonders practischen Fachunterrichtes in einerbesonderen Pflegcrinncnschule, deren Schülerinnen mehrere Jahre hindurchnach bestimmtem Plane für den Pflegeberuf vorgebildet werden, eineerheblich höhere Leistungsfähigkeit der Krankenpflegepersonen erreichenkönne. Ein weltliches Pflegepersonal zuerst geschaffen zu haben, welchessowohl an ethischer als technischer Qualität wie auch an gesellschaft-licher Werthschätzung den Angehörigen der geistlichen Verbände nichtnachstand, ist unstreitig ihr ausserordentliches Verdienst; auf ihrenSchultern stehen alle späteren Bestrebungen den Krankenpflege-Unterrichtund das weltliche Krankenpllegewesen überhaupt zu verbessern und zuvervollkommnen. Florence Nightingale hat nicht nur die Technikder Krankenpflege günstig beeinflusst und gehoben (vgl. ihre bekanntenSchriften „Notes on nursing", „Hints on hospitals" u. a.), sondern dieauf ihre Veranlassung in London ins Leben gerufene Anstalt zur Aus-bildung von Krankenpflegerinnen, die sog. Nightingale-School, welchemit dem St.-Thomas-Hospital, einem der grössten und renommir-testen Krankenhäuser Londons, in Verbindung gesetzt wurde, istfür die späteren Einrichtungen von Krankenpflegeschulen geradezuvorbildlich geworden. Die erfreuliche Folgewirkung der erzieltenVervollkommnung in der Ausbildung von planmässig geschultemPflegepersonal machte sich nicht nur in England, sondern auchin anderen Ländern, besonders auch in Deutschland, geltend.