Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
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283
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Fürsorge auf dem Gebiete des Krankenpflege-Unterrichts. 283

anstalten, so in Mainz, Mannheim, München, Bamberg, Strassburg, ebensoauch in Wien wurden auf Betreiben der leitenden Spitalärzte sog.Krankenwärter-Institute ins Leben gerufen, an welchen ein eigens hierfürbestellter Arzt die sich für den berufsmässigen Pflegedienst meldendenmännlichen und weiblichen Personen theoretisch und practisch unterwies.Auch in Preussen machte sich der Mangel an in geordneter Weise aus-gebildeten Pflegekräften fühlbar und veranlasste 1832 die Begründung derkgl. Krankenwartschulo im Anschluss an das Charitekrankenhaus in Berlindurch Dieffenbach, welche als staatliche Anstalt noch heutzutage besteht:Der theoretische Unterricht wurde an dieser Anstalt während eines Zeit-raumes von 2 Monaten ertheilt und leitete die Gesammtausbildung derPflegepersonen ein; am Schlüsse desselben wurde ein von der Anstalts-Direction ausgefertigtes Prüfungs-Zeugniss ertheilt. An dem theoretischenUnterricht konnten Personen theilnohmen, welche weiterhin im Kranken-hause wohnten und daselbst dauernd die Pflegethätigkcit ausübten, aberauch solche, die, ausserhalb der Anstalt wohnend, den Unterricht nurgenossen, um sich alsdann der Privatpflege in der Stadt zu widmen.Besonders verdient machte sich um die Weiterführung dieser Krankcn-wartschule Dieffenbach's Schüler Gedicke, der sowohl den theore-tischen Unterricht erweiterte als auch den von seinem Lehrer verfasstenLeitfaden für die Krankenwartung in umfänglicherer Form als Lehrbuchherausgab. Obwohl die genannten Institute in der Folgezeit segensreichwirkten und die Heranbildung besser vorgebildeter Pflegepersonen er-reichten, war ihre Wirksamkeit doch nur eine beschränkte, weil sichauffallend wenig Aspiranten für den Krankenpflegcbcruf meldeten, derkeine besondere gesellschaftliche Wcrthsehätzung genoss und auch keineGelegenheit gewährte, eine günstigere materielle Lage zu gewinnen.Infolgedessen machte sich auch der Nachtheil geltend, dass man indamaliger Zeit nnter den sich für die Krankenpflege meldenden Personenkeine allzu scharfe Auswahl treffen und an ihren Bildungsgrad keinensehr hohen Maassstab legen konnte; die Pfleger und Pflegerinnen re-oi'utirten sich fast ausschliesslich aus den unteren Volksschichten. Inzahlreichen Krankenanstalten wurde nach wie vor ein Pflegepersonalverwendet, welches überhaupt keine geregelte Ausbildung genossen hatte,und überdies wechselte das Krankenhauspersonal ungemein häufig, weilviele Personen sich in der Krankenpflege nur vorübergehend, gewisser-maassen sie nur als'Nothbehelf bei sonstiger mangelnder Existenz ansehend,nicht aber sie als dauernden Lebensberuf betrachtend, bethätigten. Anmit höherer Allgemeinbildung versehenen und aus besseren Ständen hervor-gegangenen Pflegepersonen fehlte es fast vollkommen. Solche fanden sichallein in den geistlichen Brüder- und Schwesterschaften, wie sie durchdie katholischen Congregationen und die von Fliedner (183336) insLeben gerufenen Diakonen- und Diakonissen-Anstalten repräsentirtwurden. Obgleich gerade von Seiten der geistlichen Krankenpflege-Ge-nossenschaften die ethischen Momente der Krankenpflegethätigkeit be-sonders betont und auch in Bezug auf die Erwerbung technischer Kennt-