278 P. Jacobsohn,
liehen, selbstständigen Specialfache der wissenschaftlichen Medicinerhob. Das in dem erwähnten „Handbuche der allgemeinen The-rapie" niedergelegte- System der wissenschaftlichen Krankenpflege um-fasst folgende Haupt-Abschnitte: 1. Aufgaben und Umfang derKrankenpflege, 2. die Heilmittel der Krankenpflege, welche indie materiellen (Krankenpflege-Gcräthe, technische Vorrichtungen) undin die immateriellen zerfallen, welche letzteren wiederum in soma-tische, hygienische und psychische Mittel eingetheilt werden, 3. dieAnwendungsart der Heilmittel der Krankenpflege, bei der als topogra-phisch-dynamische Anwendungskreise (Zonen) die Körperoberfläche, dasKrankenbett, das Krankenzimmer, das Krankenhaus und schliesslich derCur-Ort in Betracht gezogen werden, 4. die Wirkungsweise der Heilmittelder Krankenpflege, die exaeter Feststellung zugängliche und bedürfendeHypurgo-Dynamik, welche sich im Einzelfalle aus einer Anzahl vonTheilactionen zusammensetzt und wonach sich die Heilmittel der Kran-kenpflege in analoger Weise wie die pharm geologischen Heilmittel inNarcotica, Tonica, Excitantia, Purgantia, Expectorantia etc. cintheilenlassen, 5. die Indicationen der Heilmittel der Krankenpflege; dieselbenergeben sich nach Maassgabe der durch die einzelnen Mittel ermög-lichten Reizeffecte und sind im Allgemeinen bei jeder Erkrankung ge-geben, wo die Heilmittel der Krankenpflege als Ergänzung der übrigenlleilmaassnahmen verwendet werden können; der Umfang der Indicationerscheint bei ihrer Anwendung hauptsächlich dadurch vergrössert, weilsie sowohl frei von jeder schädlichen Nebenwirkung sind als auch einestetige, ununterbrochene Einwirkung ausüben können.
Mit Recht konnte der Autor des im Vorstehenden in kurzen Um-rissen skizzirten Systems der wissenschaftlichen Krankenpflege sagen,dass die Krankenpflege bisher noch niemals unter ähnlichen erweitertenund wissenschaftlich vertieften Gesichtspuncten betrachtet worden war,und gelang es vorerst auch nur den Rahmen und die Hauptgliederungfür die sich anschliessende experimentelle Detailarbcit festzulegen, sokann doch das Mendeisohn'sehe Werk über „Hypurgie" in mancherBeziehung als ein Markstein für die weitere Entwicklung und Bear-beitung der wissenschaftlichen Krankenpflege bezeichnet werden. Umfreilich die einzelnen Theilgcbiete einer so umfänglichen wissenschaftlichenDisciplin zu vollkommen ausgebauten Räumen eines fertig dastehendenwissenschaftlichen Lehrgebäudes zu machen, dazu wird es einer nurlangsam! fortschreitenden, vieljährigen, mühevollen Einzelarbeit bedürfen,deren Anfange bereits erfreuliche Ergebnisse gezeitigt haben. Auch wirdimmerhin nur ein Bruchtheil der Gesammtwissenschaft der Krankenpflegesich der rein exact-experimentellen Bearbeitung zugänglich erweisen,■während manche Theilgebiete dieses Faches zu ihrer Förderung haupt-sächlich einer eingehenden Berücksichtigung der volkshygienischen, ethi-schen, socialen und statistischen Verhältnisse bedürfen werden. Um dasvon ihm aufgestellte System für den academischen Unterricht nutzbarzu machen, erweiterte Mendelsohn vor Kurzem seine Hypurgie zu