Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
277
Einzelbild herunterladen
 

Fürsorge auf dem Gebiete des Krankenpflege-Unterrichts. 277

und die Zeit wird kommen, wo sie alle in ihrem inneren Wesen durchdie Wissenschaft eine Erklärung finden werden. Sie zu erkennen istdas Object künftiger, wissenschaftlicher Forschung. Leichtfertig wäredie Meinung, das sorgfältige Eingehen ins Detail, die Regelung derkleinsten und anscheinend unwesentlichsten Dinge, welche den Krankenbetreffen, für überflüssig und kleinlich zu erachten. Wie gewaltig istdie Rückwirkung einer jeden, selbst der geringfügigsten Maassnahme indem subtilen, lebenden Organismus, wie wirkt hier der kleinste Reizdurch die Summation seiner Effecte bis zu erheblichen Aeusserungenfort, wie muss an einem so überaus reactionsfähigen Wesen alles, aus-nahmslos alles, was an ihm eine Einwirkung auslösen kann, in Berech-nung gezogen, geleitet und geregelt werden! So ist denn, so schliesstdie erwähnte Abhandlung Mendelsohirs, die Krankenpflege nur an-scheinend eine rein practische Disciplin; thatsächlich ruht sie durchausauf wissenschaftlichem Boden" (vgl. Zeitschi', f. Krankenpfl. 1895. pag. 95).Selbstverständlich war in den vorstehend citirten Erörterungen zunächstnur ein Programm für den weiteren wissenschaftlichen Ausbau derKrankenpflege auf möglichst cxacter Basis gegeben; immerhin aber wardamit die Krankenpflege als eigener Specialzweig der wissenschaftlichenMedicin in zweckmässiger Weise defmirt worden, und die Stellung, welchesie innerhalb der therapeutischen Methoden, als Schwesterwissenschaftder physicalisch-diätetischen Therapie, einzunehmen hatte, gekennzeichnet.Um den Gegnern dieser Anschauungen gegenüber nachzuweisen, dassder Krankenpflege thatsächlich eine grosse Bedeutung unter den thera-peutisch-wissenschaftlichen Methoden zuzusprechen sei, suchte Mendel-sohn (1897) in seiner AbhandlungKrankenpflege und Phthiseotherapie"an einem Beispiel zu zeigen, welche erheblichen, ja Ausschlag gebendentherapeutischen Effecte gerade auf Rechnung einer systematischen undnach wissenschaftlichen Grundsätzen durchgeführten Krankenpflege zusetzen sind. Im folgenden Jahre veröffentlichte er in dem von Eulen-burg und Samuel herausgegebenenHandbuche der allgemeinenTherapie" einen Grundriss des Systems der wissenschaftlichen Kranken-pflege, dessen Gliederung in einer den übrigen exaeten therapeu-tischen Heilmethoden entsprechenden Weise angeordnet war und denStoff nach mannigfacher Richtung unter neuen und eigenartigen Ge-sichtspunkten gruppirte. Um die nunmehr auch in weiteren Kreisen an-erkannte Stellung der Krankenpflege als exaet-wissenschaftliche Disciplinauch äusserlich zu kennzeichnen, legte Mendelsohn ihr den NamenHypurgie" (vom griech. inovqytXv = Hilfsmittel anwenden) bei, der sichauch bereits in den Kreisen der Aerzte einzubürgern beginnt, v. Leyden,der die Bestrebungen, das Gehiet der Krankenpflege wissenschaftlichweiter zu bebauen und ihre einzelnen Zweige zu vervollkommnen, in-thatkräftigster Weise förderte, konnte gelegentlich der Eröffnungs-rede des 15. Congresses f. inn. Medicin den wichtigen Fortschrittverzeichnen, dass die Krankenpflege sich, besonders durch die Ent-wicklung der letzten Jahre, mehr und mehr zu einem unentbehr-