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2,1 (1902)
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271
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Fürsorge auf dem Gebiete der Kranltenwartung. 271

sieh aus den statistischen Erhebungen, welche neuerdings von Für-bringer über die Häufigkeit intranosocomialer Ansteckung bei Aerztenund Krankenpflegepersonen angestellt worden sind (mit besonderer Berück-sichtigung der Tuberkulose), dass die Infectionsgefahren bei der Kranken-pflege thatsächlich nur recht geringe sind. Es waren danach von 1874bis 1890 im Krankenhaus Friedrichshain in Berlin von 459 Kranken-pflegern (darunter solche mit 16jähriger Dienstzeit) tuberkulös 4, vondenen nachweislich 2 die Schwindsucht schon mitgebracht hatten, eindritter Fall zweifelhaft: von 339 Krankenpflegerinnen 2; von den seit10 Jahren beschäftigten 108 Victoriaschwestern, von denen 50 imDurchschnitt 2 Jahre und 10 Monate im Krankenhause thätig waren,ist eine einzige tuberkulös geworden; nach diesen Feststellungen beträgtdie Infcctionsgefahr ca. 1 pOt. Allerdings berechnet Com et im Gegen-satz hierzu und in Uebereinstimmung mit einer weiter zurückliegendenStatistik v. Ziemssen's für die katholischen Ordensschwestern eineSterblichkeitsziffer von 63 pOt.; doch führt Lazarus die Begründungfür diesen hohen Procentsatz darauf zurück, dass bei den katholischenKrankenpflege-Orden Verhältnisse mitsprechen müssen, die weder hin-sichtlich der Kleidung noch der Ernährung, noch der allgemeinen Für-sorge bei den strengen Gesetzen, denen Ordensschwestern unterworfensind, genügenden Schutz vor der Ansteckungsgefahr gewähren (vgl.J.Lazarus, Ueber die Krankenhausbehandlung schwerkranker Tuberku-löser. Deutsche med. Wochenschr. 1899. No. 8). Eine Statistik bezüglichder acuten Infectionskrankheiten liegt bis jetzt noch nicht vor; es istjedoch keine Frage, dass die Ansteckungsmöglichkeit bei ihrer Pflegedurch Beobachtung der prophylactischen Vorschriften auf ein Minimumreducirt werden kann.

Ein sehr wesentlicher Grund für den numerischen Mangel anPflegepersonen liegt in der cigenthümlichen Fremdartigkeit desKrankenpflegebcrufes. Die Stellung einer Krankenpflegerin erscheintheutzutage noch vielfach als eine so eigenartige und in gesellschaft-licher Hinsicht so abgesonderte, dass zahlreiche Mädchen und Frauenes gewissermaassen als ein auffallendes Wagniss und Ereignissbetrachten, sich ihr zu nähern. Nicht sowohl in den wirthschaft-lichen A r erhältnissen des Krankenpflegeberufes, wie vielfach gemeintwird, und die zweifellos gleichfalls einer geeigneten und thatkräftigenFörderung bedürfen, als vielmehr in den gesellschaftlichen Verhält-nissen des Berufes liegt der Hauptgrund dafür, dass er nicht sohäufig ergriffen wird, als dies vom ärztlichen Gesichtspunkt aus zuwünschen wäre. Der Krankenpflegeberuf muss volksthümlicher werden;es darf nicht mehr wunderbar erscheinen, wenn sich ein junges Mäd-chen ihm zuwendet. Anstatt ihn mit einer furchterregenden Unnahbar-keit zu umgeben, sollte man noch in viel weitergehendem Maasse, alsbisher die Bevölkerung auf ihn aufmerksam machen und ein besseresVerständniss für sein Wesen und seine Anforderungen zu verbreitensuchen. Angesichts des unzureichenden Contingents an Berufspflege-