Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
270
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270 P- Jacobsolm,

ätiologischer Factor für- die geringe Aspiranz zum Krankenpflegeberuieliegt in der psychischen Einwirkung, welche er nach der Vorstellungder ihm Fem erstell enden auf die ihm Angehörenden üben muss.Viele Personen, sowohl weibliche als auch männliche, widmen sichallein schon deshalb nicht der berufsmässigen Krankenpflege, weil sie inpsychischer Hinsicht de^i dauernden Verkehr mit kranken Menschenfürchten und nicht ertragen zu können meinen. Der Anblick Leidenderängstigt und beunruhigt sehr viele Menschen in hohem Grade, die häu-figen Schmerzensäusserungen und Klagen, deren Zeugen sie am Kranken-bette werden, wirken verdüsternd und verstimmend auf ihr Gemüth.Sehr viele Personen zeigen ein- instinetives Widerstreben dagegen etwasKrankhaftes zu sehen und mit ihm in Berührung zu kommen; nichtetwa nur bei nervösen und leicht erregbaren, sondern selbst bei kräfti-gen und ganz gesunden Individuen findet man häufig eine derartige Ab-neigung gegenüber kranken Menschen, welche durchaus nicht immer aufMitleid- oder Gefühllosigkeit zurückzuführen ist, sondern vielmehr, wennman so sagen darf, in gewissen ästhetischen Empfindungen ihren Ur-sprung hat. Viele Menschen sind für dieSchönheit des Leidens" weitweniger empfänglich und zugänglich als für dieSchönheit der Gesundheit".Diese instinetive Flucht vor dem Kranken ist aber keines-wegs zu verwechseln mit der Furcht vor der Möglichkeit einer An-steckung, einer Krankheitsübertragung auf den eigenen Körper, welchegleichfalls als wirksam für den ,Umstand in Betracht kommt,dass sich relativ so wenige Berufsaspiranten für die personelleKrankenwartung finden. , Aehnliche Empfindungen bilden ja auch theil-weise den Grund für das Vorurtheil,, welches noch vor nicht langerZeit in weiten Bevölkerungsschichten gegen das Aufsuchen deröffentlichen Hospitäler herrschte uikK erst letzthin durch den ausser-ordentlich erhöhten Kranken com fort, mit dem die modernen Anstalteneingerichtet werden, sowie durch die weiter vorschreitende Aufklärungumfangreicher Volkskreise in hygienischer Beziehung eingeengt wird.Andererseits darf man nicht übersehen, dass die Bestrebungen, die Be-völkerung in hygienischen Dingen mehr als früher zu unterrichten, nebenihrem ausserordentlichen Segen in prophylactischer Hinsicht doch auchleicht den einen Nachtheil haben können, dass sie die Furcht vor An-steckung über das wünschenswerthe Maass vermehren. Es wird daherals eine sehr wichtige Aufgabe bezeichnet werden müssen, die Furchtvor Ansteckung und Krankheitsübertragung auf das geeignete Maass zubeschränken und jedenfalls zu verhüten, dass die Möglichkeit, die bereitsErkrankten hinreichend zu pflegen, in irgend einer Beziehung nothleidet.Vor allem kommt hier in Frage, dass die Gefahren der Krankheitsüber-mittelung bei der personellen Wartung Kranker nicht als grösser hin-gestellt werden, als sie es bei sorgfältiger Beobachtung der individuellenhygienischen Vorsichtsmaassregeln thatsächlich sind, damit nicht derohnehin so geringe Afflux zu dieser nützlichen und notwendigen Be-thätigungsart noch mehr dadurch eingedämmt wird. Ueberdies ergiebt