Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
269
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Fürsorge auf dem Gebiete der Krankenwartung. 269

möglichst zu reduciren. Da aber gerade der Krankenpflegeberuf sowohlin ethischer wie auch physischer Beziehung erhebliche Anforderungenstellt und obenein weniger die Gewinnung äusserer Yortheile und Ge-nüsse als vielmehr innere Befriedigung und Genugthuung als Lohn inAussicht stellt, so kann schon in diesen Verhältnissen mit Recht einwichtiger Grund für die auffallend geringe Aspiranz zu diesem Arbeits-felde erblickt werden. Jedoch auch viele ernstere und pflichtbewussteNaturen werden durch die besondere Eigenart der Pfiegethätigkeit vonihr ferngehalten und anderen Thätigkeitsgebieten zugeführt, welche zwarebenfalls erheblichere Ansprüche in Bezug auf Pflichttreue, Verantwort-lichkeit, körperliche und geistige Anstrengungen stellen, aber sich dochgerade in den hier in erster Linie in Betracht kommenden Punkten sehrwesentlich von dem Pflegeberufe unterscheiden. Die Pflegerin wird amhäufigsten mit der Lehrerin verglichen, und zweifellos hat dieser Vergleichhinsichtlich der Autoritativität und Verantwortlichkeit der Stellung seineBerechtigung. Andere häufig ergriffene Berufsarten erfordern wiederum soerhebliche körperlicheAnstrengnngen, dass auch in dieserSeite des Kranken-pflegeberufes nicht der eigentliche und hauptsächlichste Grund für die geringeVorliebe für ihn gefunden werden kann. Man erinnere sich nur daran, dassspeciell viele gleichfalls vorzugsweise von weiblichen Personen vertreteneThätigkeiten mit der häufigen Zurücklegimg weiter Wege, mit andauern-dem Stehen, mit andauernden gesundheitlich schädlichen Körperhaltungen,einförmigen das Nervensystem angreifenden Bewegungen, kurz körperlichanstrengender Arbeit aller Art verknüpft sind, und doch verschwindetdie Klage über Ueberfüllung der meisten sog. Frauenberufe nicht vonder Tagesordnung. Dazu erwäge man andererseits, dass der Kranken-pflegeberuf heutzutage auch nicht mehr in dem Grade, wie in früheren Zeiten,eigentliche Strapazen verlangt. In erster Linie kämen hierbei noch diegefürchtetenNachtwachen" in Frage; doch gelingt es durch Anwendunggeeigneter Vorsichtsmaassregeln inbezug auf hinreichende und zweck-mässige Ernährung während derartiger Thätigkeit und genügende Er-frischung, Erholung und Ruhe nach derselben, wie überhaupt durch einerationelle Einrichtung des Nachtpflegedienstes körperliche Ueberanstren-gungen und gesundheitliche Schädigungen der Pflegepersonen, die dieserUrsache entstammen-, auszuschliessen. Auch diegröberen Hausarbeiten"können nicht als hervorragendes Abschreckungsmoment wirksam sein;erstens werden ja in neuerer Zeit die Krankenpflegepersonen schon anvielen Orten von jenem Theile der Hausarbeit, der nicht untrennbar mitden wesentlichsten Aufgaben der Pflege selbst verbunden ist, und derauch durch billigere und ungebildetere Hilfskräfte bezw. Dienstbotenbesorgt werden kann, möglichst entlastet; sodann aber ist mit vollemRecht hervorgehoben worden (Zimmer), dass die Hausarbeit sogar ge-sundheitlich vortheilhaft zu wirken vermag, indem sie den Pflegeper-sonen, die oft gezwungen sind sich längere Zeit hindurch in der Luftder Krankenräume ohne ausgiebige Bewegung aufzuhalten, erwünschteGelegenheit bietetsich körperlich auszuarbeiten". Ein weit wichtigerer