Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
266
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266 P. Jacobsohn,

wenn auch, wie gesagt, erheblich seltener als in den allgemeinen Kran-kenhäusern, auch schwerere accidentelle Erkrankungen und plötzlicheVerschlimmerungen des Zustandes vorkommen, welche eine sehr sorg-fältige und eingehende Wartung erheischen.

Sodann aber ist auch zu bedenken, dass die meisten Pflegeper-sonen, selbst, wenn sie sich gut für die dauernde Ausübung der Kranken-wartung eignen, doch nicht für immer in den betreffenden Anstaltenbleiben, sondern gewöhnlich nach Verlauf einiger Jahre die Anstalt ver-lassen und einen anderen Wirkungskreis aufsuchen, sei es, dass sie sichfortan der Privatkrankenpflege oder der Gemeindekrankenpflege zuwenden.Der Grund hierfür liegt in erster Linie in der den Körper angrei-fenden Schwere des dauernden Anstaltsdienstes. Ein grosser Theil derIrrenärzte, welche sich eingehender mit der Frage der Gewinnung einesbesseren Pflegepersonals für die Anstalten für Geisteskranke beschäftigthaben, nimmt an, dass die Pflegepersonen in der Mehrzahl der Fälleschon nach 56 Jahren den Höhepunkt der Leistungsfähigkeit über-schritten haben. F. Zimmer (vgl.Krankenhaus u. Diakonie". DeutscheKrankenpfl.-Ztg. 1898. No. 3) spricht sich über diesen bemerkenswerthenPunkt mit folgenden treffenden Worten aus:Man braucht nur ein wenigPsychologe zu sein, um sich zu sagen, dass die Krankenpflege in einemgrösseren Krankenhause auf viele Jahre nicht auszuhalten ist. Die Aerztobeginnen ihre Visite des Morgens etwa um 8 Uhr; bis dahin muss imHause Alles geordnet, sein, also müssen die Pflegepersonen um 5, spä-testens um 6 Uhr ihre Arbeit beginnen oder wenigstens dann sichzurecht machen. Wie Sauberkeit, so ist auch Ordnung ein wesentlichesLebensbedürfniss der Krankenhäuser; es muss Alles in strengster Pünkt-lichkeit gehen; der Dienst ist militärisch. Aber dieses Rädergetriebe,wie es von früh bis spät in einem solchen Hause in Bewegung ist,greift diejenigen, die in diesem Getriebe mitten drin stehen, denn docherheblich an. Wie kein Arzt lebenslang Assistenzarzt an einem solchenKrankenhause sein möchte, so hält auch der Pfleger die Thätigkeit indemselben weder körperlich noch geistig auf die Dauer aus". Die prac-tische Erfahrung in den Krankenhäusern steht mit den hier citirtenWorten im besten Einklänge, sodass auch hiernach gefolgert werdenmuss, dass es nicht richtig sein würde, wenn man in den Specialkranken-anstalten nicht darauf Bedacht nähme, die Pflegepersonen möglichst all-seitig auszubilden; denn man würde sie sonst ja für ihre ganze Zukunftauf ein nur enges Specialgebiet beschränken und dadurch ihre spätereVerwendbarkeit für die Privat- oder Gemeindekrankenpflege einengen.

Die hier niedergelegten Ausführungen über das Verhältniss der Special-pflegepersonen zu den Krankenpflegern und Krankenpflegerinnen schlecht-hin, wie sie fast ausschliesslich aus den Ausbildungsschulen der ver-schiedenen genossenschaftlichen Krankenpflege-Organisationen hervorgehen,und insbesondere die Anschauungen über die Zweckmässigkeit einer um-fassenderen und einheitlicheren Durchbildung der ärztlichen Hilfspersonenauch in den Specialanstalten, die sich an meine früheren Arbeiten über