Fürsorge auf dem Gebiete der Krankenwartung. 265
Aus den bisherigen Erörterungen ergiebt sich die Folgerung, dasses wünschenswerth ist, überall dort, wo überhaupt in den Specialkranken-anstalten eine Ausbildung von Pflegepersonen stattfindet, dieselbe inso-fern möglichst einheitlich zu gestalten, als auf den Unterricht in derallgemeinen Krankenpflege neben der specialtechnischen Ausbildung einerhebliches Gewicht gelegt wird. Es gilt dies sowohl für die Anstaltenfür Lungenkranke, wie für die Irrenanstalten, die Nervenheilanstalten, dieKaltwasserheilanstalten etc. In den meisten Specialhospitälern findet eino-eordneter Unterricht für das Pflegepersonal überhaupt noch nicht statt,sondern die Erlernung der Krankenpflege ist hier fast ausschliesslicheine mehr zufällige. Erst in den letzten Jahren beginnt man in denSpecialanstalten für Geisteskranke und auch in den Heilstätten fürLungenkranke durch geordneten Unterricht sich ein geschultes Pflege-personal selbst heranzubilden. Ohne Zweifel eignen sich beide Katego-rien von Specialkrankenanstalten zur Ausbildung von Pflegepersonen imAllgemeinen weniger gut als die grösseren allgemeinen Krankenhäuser,weil in diesen eine viel umfassendere und mannigfaltigere Gelegenheitvorhanden ist, sich sowohl in der allgemeinen Krankenpflege, als auchin den verschiedenen Specialgebieten der Pflegethätigkeit praktisch zuschulen, welcher Zweck leicht durch einen in geeigneter Reihenfolgestattfindenden Wechsel auf den verschiedenen Krankenhausabtheilungenerreicht werden kann. Immerhin ist es auch mit Rücksicht darauf, dassüberhaupt zur Zeit noch an geeigneten Ausbildungsstätten für Kranken-pflegepersonen ein gewisser Mangel herrscht, durchaus zu billigen, wennauch seitens der grösseren Specialhospitäler die Ausbildung von ge-schultem Pflegepersonal in die Hand genommen wird. Allerdings sindviele Specialkrankenanstalten schon durch den Umstand weniger hierzugeeignet, weil es in ihnen häufig überhaupt an der Gelegenheit fehlt,gerade die Pflege Schwerkranker, welche für die berufliche Ausübungder Krankenpflege am wichtigsten ist, practisch eingehend kennen zulernen. Verhältnissmässig günstig liegen die Verhältnisse noch in dengrossen öffentlichen Anstalten für Geisteskranke, in welchen eher dieMöglichkeit gegeben ist, auch die Pflege und Wartung schwerkrankerPersonen zu üben, als etwa in den Volksheilstätten für Lungenkranke,welche ja in erster .Linie für Kranke im frühesten Stadium der Erkran-kung, also für Leichtkranke, bestimmt sind. i\.nders natürlich liegt dieSache in den grösseren Privat-Lungenheiianstalten, welche Kranke inallen Phasen des Krankheitsverlaufes aufnehmen. Jedenfalls aber wirdman daran festhalten müssen, überall die Ausbildung möglichst um-fassend und einheitlich zu gestalten. Die Notwendigkeit solchen Vor-gehens ergiebt sich, abgesehen von den obigen Ausführungen, auch daraus,dass die betreffenden Anstalten ja das Pflegepersonal, das sie heran-bilden, zunächst längere Zeit hindurch für das eigene Haus verwendenwollen; sie haben somit auch selbst ein intensives Interesse daran, überein möglichst gründlich geschultes Personal zu verfügen. Es ist hierbeibesonders zu berücksichtigen, dass .gelegentlich in allen Specialanstalten,