Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
333
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333 v. KNEBEL

x °oo Rthlr. Gesamthonorar, meinte der Kanzler, seien zu wenig, 2000zu viel; aber für die Briefe des Großherzogs allein getraue er sich5oo Rthlr. zu erlangen. Vor allem müsse jetzt die von Mundt beab-sichtigte Ankündigung nebst Proben hinausgehen, dann werde sichdurch die Konkurrenz der Buchhändler das Gebot schon steigern.„Wegen der Großherzl. Briefe," heißt es weiter, „wiederhohle ich,daß deren Redaction nur von hier ausgehen kann u. darf; dennes steht gar zu viel auf dem Spiele, was den Knebeischen Erbengroßen Nachtheil bringen könnte. Deshalb bitte ich auch dringend,zu verhüthen, daß kein Brief des Großherzogs als Probe der An-kündigung angefügt werde. Es wird genügen zu sagen, daß einreicher Schatz Großherzl. Briefe vorhanden sey. Ihre Unterschriftder Ankündigung, Ihr Name überhaupt darf doch ja dem Unter-nehmen nicht fehlen, darauf lege ich viel Gewicht. Caetera suppleatdexteritas et benevolentia tua."

Der Kanzler selbst hatte es also mit der Ankündigung eilig. Jetztkamen seine Anordnungen und Wünsche zu spät. Die erste Mit-teilung über die beabsichtigte Herausgabe des Knebeischen Nach-lasses machte Mundt in einer Veröffentlichung, die unter dem Titel„Schriften in bunter Reihe" schon wenige Tage später erschien; siewar die Notform einer von der sächsischen Zensur nicht zugelassenenZeitschrift, über die in dem Abschnitt Mundt Genaueres angegebenist. Mundt kündigte das von ihm und Varnhagen gemeinsam heraus-zugebende Buch an, berichtete über den reichen Inhalt des Nach-lasses und druckte eine Reihe von Briefen an Knebel nebst einigenStellen aus dessen Tagebüchern ab. Unter den Briefen waren sechsvon Herder, zwei von Wieland, zwei von Jean Paul, einer von Flegelund — an der Spitze dieser Proben — vier von Karl August! AlsMundt am 8. Oktober Varnhagen das Heft überreichte, schrieb erdazu: „Daß die Verleger, die sich zu einer so bedeutenden Summeanheischig machen, schon jetzt von den Knebeischen Papieren Vor-theil zu ziehen suchen, dürfte ihnen nicht verdacht werden. Dasganze Heft habe ich übrigens nur auf Wunsch und Betrieb derVerlagshandlung, die während meiner Reise die Zusammenstellungselbst gemacht hat, herausgegeben. Die Abdrücke aus Knebel sindmit Wissen der Familie geschehn."

Das Heft wurde von keiner Zensurbehörde beanstandet. Im Ge-genteil: als es an das Berliner Oberzensurkollegium gelangte, schriebder Geh. Justizrat Müller auf den Umlauf: „In diesem Buche kommtnichts vor, was die Aufmerksamkeit des O.C.Collegii auf sich ziehenkönnte. Es ist aber der Inhalt interessant genug, um die Circulationzu veranlassen." Ganz anders war das Echo aus Weimar, wohinVarnhagen, von Mundts Sendung selbst überrascht und wegen ihrervoraussichtlichen Wirkung auf Weimar beunruhigt, das Erscheinen