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2,1 (1902)
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253
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Fürsorge auf dem Gebiete der Krankenwartung. 253

häufig sogar völlig unentgeltlich den Beistand einer barmherzigen Schwesteroder Diakonissin zu erhalten. Für die wohlhabenden Familien ist inden Städten in den letzten Jahren fast ausnahmslos in ausreichenderWeise durch die Domicilirung sowohl geistlicher als weltlicher Vereine,welche sich der öffentlichen Krankenpflege innerhalb der Familien widmen,gesorgt worden. Die meisten derartigen Stationen, welche männlicheund weibliche Pflegekräfte auf Wunsch in die Familien entsenden, sindmit telephonischem Anschluss versehen, sodass also die Erreichung sach-gemässer Pflege in den grösseren Städten keinerlei Schwierigkeiten hat.Es ist leicht zu begreifen, dass sich die Aufgaben der Pflegepersoncnin andersartiger Weise gestalten, wenn es sich darum handelt, die Kranken-pflege in bemittelten Familien zu leisten, als in der Armenkrankenpflege,deren Hauptanforderungen bereits kurz beleuchtet worden sind. Im All-gemeinen kann man sagen, dass die Aufgaben der personellen Kranken-wartung im ersteren Falle erheblich leichter zu lösen und auch wenigerumfangreich sind. Im Hause des Armen geht die Pflege meist in engenRäumen, die sowohl hinsichtlich der Beleuchtung als der Ventilationals der Sauberkeit zu wünschen übrig lassen, vor sich. Es sind fastnirgends irgendwelche Vorkehrungen für die Krankenpflege vorhanden,wenn die Pflegeperson ihre Thätigkeit beginnt. Es handelt sich daherzunächst darum, die Wohnung des Kranken und seine Umgebung so um-zugestalten, dass die fundamentalen Erfordernisse der wissenschaftlichenTherapie gewahrt werden. In vielfacher Beziehung wird man sich da-mit begnügen müssen, die Gestaltung des Krankenraumes und seinerEinrichtung nur einigermaassen so durchzuführen, wie es vom ärztlichenStandpunkt wünschenswerth erscheint. Denn auf Schritt und Trittmacht sich die materielle Beschränkung störend bemerkbar. Immerhinwird es meist einer tüchtigen erfahrenen Pflegeperson gelingen, demKranken einen Grad der Behaglichkeit und Bequemlichkeit zu schaffen,der auf den Krankhcitsverlauf günstig einwirkt. Schon die Herstellungder für die Krankenbchandlung so wichtigen Ordnung und Sauberkeit inder Umgebung des Kranken, deren Beschaffung ja ohne nennenswerthenGeldaufwand sich bewerkstelligen lässt, ist eine hauptsächlichste Sorgein der Armenkrankenpflege. Häufig genug kommt hier ausser der eigent-lichen körperlichen'und psychischen Pflege der Kranken aber noch dieSorge um die Aufrechterhaltung und Unterstützung des ganzen Haus-wesens hinzu, und sie tritt besonders dort in den Vordergrund, wo dieHausfrau selbst erkrankt ist oder fehlt oder durch ihre Erwerbsthätig-keit in Anspruch genommen wird; ja, schliesslich kann auch dieFürsorge für die unerwachsenen Kinder in der Armenpflege mit auf derKrankenpflegerin Schultern kommen. Dazu soll sie auf die ganze Familieerziehend, aufklärend, veredelnd wirken und den Kranken selbst sach-gemäss versorgen. Welche Fülle der Aufgaben, welche Schwierigkeitder Stellung! Schliesslich liegt es auch der Pflegerin ob, eine geeigneteKrankenkost und die nöthigsten technischen Hilfsmittel der Krankenpflegein Bereitschaft zu setzen. Man ersieht daraus, dass die private Armen-