Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
252
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252 P. Jacobsohn,

Unterricht (14tägig) findet im Kloster Arenberg, die practische Unter-weisung (2—4wöchig) in einem Krankenhause statt; die Kosten werdendurch Sammlungen gedeckt. In Donaueschingen ist das Princip derSelbsthilfe für die Landkrankenpflegc in Anwendung gekommen, indemjedes Mitglied der Gemeinde 20 Pfennige pro Kopf und Jahr zahlt;durch hochherzige Spenden wurde bei Begründung des Vereins eingrösserer Fonds zur Verfügung gestellt. Einen ausführlichen Ueberblicküber diese von verschiedenen Seiten in Angriff genommenen Fortschrittezur Verbesserung der Krankenwartung auf dem Lande gaben auf der imSeptember 1899 in Breslau abgehaltenen Versammlung des DeutschenVereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit die Referate von Haus erund Düttmann (vgl. auch Schilling, Fortschritte in der Kranken-undHauspflege auf dem Lande. Deutsche Krankenpfl.-Zeitg. 1900. pag. 49).

Zweifellos ist in diesen Ansätzen zur Beschaffung einer geordnetenund ausreichenden personellen Krankenwartung für das platte Land einwichtiger Fortschritt in der Landkrankenpflege überhaupt zu erblickenund erzielt worden, und somit sind derartige Bestrebungen vom ärztlichenStandpunkte freudig zu begrüssen. Aber das darf keineswegs ver-schwiegen werden, dass auf diesem Zweige der Krankenpflege noch sehrviel zu thun übrig bleibt. Einerseits reichen die erzielten Erfolge nochkeineswegs aus, um dem Bedürfniss der deutschen Landgemeinden zuentsprechen, andererseits darf man nicht vergessen, dass die Heran-ziehung von Hilfskräften für die Landkrankenpflege, die nicht als voll-wertige Berufspflegepersonen angesehen werden können, doch eben nureinen Nothbehelf darstellt, und dass jedenfalls das vom ärztlichen Stand-punkt aus berechtigte Streben, allmählich dahin zu gelangen, in derKrankenpflege nur völlig ausgebildete Pflegepersonen zu bethätigen, nichtan Bedeutung verliert. Es ist zu hoffen, dass man sich in der Zukunftdahin einigen wird, in einheitlicherer Weise als bisher Normen für dieDauer und den Umfang der Ausbildung auch bei den Landpllegepersonenfestzulegen.

In den grösseren Städten stellen sich der Fürsorge für eine aus-reichende personelle Krankenwartung bei weitem nicht solche Schwierig-keiten entgegen, wie sie als für die Landkrankcnpllcge maassgeblichoben hervorgehoben wurden. Die grössere Zahl und der grössere Um-fang der Krankenanstalten, das vorhandene grössere Material an.Berufs-aspiranten, die sich aus dem erheblicheren Umfange der Gemeinden er-gebende reichlichere peeuniäre Unterstützung, das Vorhandensein zahl-reicher Stationen der genossenschaftlichen Organisationen in den Städtenvereinigen sich, um die Fürsorge für die personelle Krankenwartung zuerleichtern. Aus diesen Gründen ist auch auf dem Gebiete gerade derArmen- und Gemeindekrankenpflege an den grösseren Orten es möglichgewesen, dem Bedürfniss in befriedigender Weise gerecht zu werden.Nicht nur für die gute Pflege armer Kranker in den öffentlichen Kranken-anstalten ist aufs beste gesorgt worden, sondern es ist auch vielerortsden ärmeren Kranken möglich, unter nur massigem Kostenaufwande,