Fürsorge auf dein Gebiete der Krankenwarlung. "241
ein sehr wesentlicher Theil der Krankenbehandlung, nämlich die gesummteFürsorge für das Wohl des Kranken während der Zwischenzeit zwischenden kurzen ärztlichen Krankenbesuchen, während der .,23 3 / i Stundendes Tages, wo der Arzt nicht bei dem Kranken ist" (Mendelsohn),auf den Schultern der Pflegepersonen, und vielleicht in noch höheremGrade als bei der Anstaltspflege ist es oft hauptsächlich dem Vor-handensein einer guten personellen Krankenwartung zu danken, wenndie vom behandelnden Arzte intendirten Heilziele bei einem schwer-kranken Privatpatienten in erfreulicher Weise erreicht werden. So zeigtsich denn in erfreulicher Weise erreicht werden. So zeigt sich denn imPrivathause auf's deutlichste, welchen wichtigen Heilfactor heutzutage diepersonelle Krankenwartung darstellt, und wie gross das therapeutischeInteresse der Aerzte sein inuss, diesen Hilfsfactor für die Kranken-bchandlung möglichst zu verbessern und zu vervollkommnen. Wennman bedenkt, dass es in der Gegenwart doch nur einigen wenigen ge-sellschaftlich und wirtschaftlich auf der Höhe des Lebens wandelndenPersonen möglich ist den Arzt andauernd Tag und Nacht hindurch anihrem Bette zu haben und durch ihn selbst alle kleinen Sorgen derKrankenpflege ausgeführt zu sehen, während es bei dem Gros der Be-völkerung äussere Gründe mannigfacher Art verhindern diese „Hippo-cratischen" Vorhältnisse beizubehalten, so ergiebt sich sofort die dringendeNothwcndigkeit geeignete Ersatztruppen in der Privatpflege zur Handzu haben, denen in Abwesenheit des Arztes die dauernde Obhut für dieKranken anvertraut werden kann. Hatten wir schon weiter oben beider Betrachtung der personellen Krankenwartung in Hospitälern dieBeobachtung machen können, dass es derzeit mancherorts an einerhinreichenden Anzahl von verfügbaren und den ärztlichen Anforderungengänzlich entsprechenden Pflegepersonen mangelt, und zwar einerseits, weilüberhaupt verhältnissmässig noch zu wenig Personen sich bereit findendie Krankenpflege als Lebensberuf zu wählen, andererseits, weil einereichlichere Besetzung der Krankenhäuser mit Pflegckräften in manchenFällen den wirtschaftlichen Etat zu stark belasten würde, so findenwir ähnliche Uebelstände auch bei der privaten Krankenpflege wieder.Auch hier tritt uns erstens die nur zu bekannte Thatsache störend inden AVeg, dass auch für die Familienpflege das gesammte bereitstehendeContingent an berufsmässigem Pflegepersonal den thatsächlich vorhandenenBedürfnissen gegenüber noch in keiner Weise numerisch ausreicht, ob-gleich von Seiten der verschiedenen bewährten geistlichen und weltlichenOrganisationen sehr grosse Mühe aufgewendet wird, um immer neueHilfstruppen gutgeschulter Pflegepersonen heranzubilden; sodann abermachen sich auch hier in sehr hohem Maasse wirthschaftliehe Schwierig-keiten geltend, welche verhindern, dass in grösserer Ausdehnung berufs-mässige Pflegepersonen zur Privatpflege herangezogen werden können.Ein idealer Zustand wäre es ja, wenn jedem Schwerkranken die beidenjetzt erst in ihrer gleich grossen Bedeutung recht erkannten wichtigen per-sonellen Heilfactoren: „Arzt und Pflegeperson" zu Gebote stehen würden;
Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. II. Bd. ig