Fürsorge auf dem Gebiete der Krankenwartung. 239
auch auf eine gewisse Kleidsamkeit soll dabei Rücksicht genommenwerden. Der erwähnte Autor macht in seiner sehr lesenswerthen Arbeitdarauf aufmerksam, dass bei der Pflegerinnenkleidung auch auf dieHaartracht und die Haubenform besondere Aufmerksamkeit gerichtetwerden solle. Hinsichtlich der ersteren ist ein straffes Einflechten desHaares, glatte Scheitelung und Vermeidung von Locken besondersempfehlenswerth, weniger, um zu einer würdig-schlichten Erscheinungbeizutragen, als vielmehr, um die Möglichkeit von Infectionen (Ope-rationen!) zu beschränken; natürlich wird auch den individuellen Ver-hältnissen eine gewisse Rechnung zu tragen sein. Hinsichtlich der Haube,eines wegen des guten Zusammenhalten des Haares auch vom ärztlichenStandpunkt zweckmässigen Kleidungsstückes, empfiehlt sich möglichsteEinfachheit (Form einer Mitra Hippocratis oder eines Kopf-Tuchverbandes),leichte Auseinandernehmbarkeit und Desinficirbarkeit, Vermeidung vonals Staubfänger dienenden Fältchen und Anhangschleiern, gutes Festsitzenan der Haargrenze (Befestigung durch ein Gummiband!). Die umfäng-lichen, gestärkten Hauben mancher Genossenschaften sind unzweck-mässig. Ein wichtiges Erforderniss für die Kleidung der Pflegepersonenist ferner, dass sie bequem sei und bei den mannigfaltigen Bewegungen,welche die Pflegethätigkeit mit sich bringt, nicht hindern (Bücken, Auf-heben der Kranken, Transport der Kranken etc.). Gerade für Pflege-rinnen ist die neuerdings sich immer mehr ausbreitende, den ärztlichenAnforderungen gerechtwerdende sog. Reformkleidung von Bedeutung;jedenfalls ist das gesundheitsschädliche Korsett im Krankendienst be-sonders ungeeignet und sollte gänzlich vermieden werden. Leider werdenvon den Leitern der meisten Krankenpflege -Vereinigungen in denSchwestern-Ordnungen diese wichtigen Punkte noch nicht eingehend ge-nug berücksichtigt. Und doch hat auch der Kranke ein Interesse daran,dass die Kleidung der ihn behütenden Pflegerinnen geeignet sei, dass ihndas Knarren der Korsetts, das Rauschen der gestärkten Röcke nichtstöre etc. Ist man doch ärztlicherseits so weit gegangen, zu verlangen,dass Knöpfe an der Kleidung der Pflegepersonen stets durch weicheBänder ersetzt werden sollten, um den Kranken beim Aufheben nichtzu drücken und zu belästigen. Die empfehlenswertheste Form desPflegerinnenkleides scheint das sog. Prinzesskleid zu sein, bei dem Rockund Taille aus einem Stück bestehen, und das bereits von mehrerenGenossenschaften mit Erfolg eingeführt worden ist. Die Röcke wähleman fussfrei; das Schuhwerk sei haltbar, leicht, bequem, es bestehe ausleichten Lederschuhen (keine klappenden Absätze!) oder Segeltuch-Schuhen, habe aber keine „lautlosen" Filzsohlen, bei deren Gebrauch derKranke durch die unerwartete, plötzliche Annäherung erschreckt werdenkann. DieDienstkleidungwird durch eine möglichst grosse und breite Schürzeaus weissem Shirting mit grossem Brustlatz und Achselbändern vervoll-ständigt. Zweckmässige Modelle für die Pflegerinnenkleidung hat Spenerangegeben (1. c. pag. 138; ebenda auch Abbildungen). Für die chirur-gische Krankenpflege und den speciellen Operationsdienst eignen sich