Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
238
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238 P. Jacobsohn.

Personen mit auffallenden Narben, entstellenden Gebrechen etc., weildiese Umstände den Kranken stets an das Kranksein mahnen, währenddoch gerade von der Pflegeperson auf den Kranken ein Hauch von Thatkraftund gesunder Frische ausstrahlen soll. Aus dem gleichen Grunde sindfür die personelle Krankenwartung Kleider in hellen Farben empfehlens-werth, also kommen vor Allem Waschkleider in Weiss, Hellgrau, oderHellblau in Frage. In Deutschland besteht die Dienstkleidung dieseallein, nicht aber dieStrassen-Uniform", hat für den Arzt Bedeutung gewöhnlich aus einem blau und weiss, grau und blau, hellblau undschwarz gestreiften oder gemusterten Baumwollstoff-Kleid (Gingham) fürdie Schwestern und Pflegerinnen, während die Pfleger ein kurzes Jacketaus weissem oder gelblichem Drell tragen. In Amerika, neuerdings auchin England, tragen die Krankenpflegerinnen allgemein ausschliesslichweisse Dienstkleider, die sich ausserordentlich gut bewährt haben undanscheinend auch bei uns zur Anwendung empfohlen werden können.Wenig zweckmässig sind schon aus dem bereits angeführten Gesichts-punkte die schwarzen Trachten, welche man noch häufig bei Pflegerinnengeistlicher Provenienz findet; sie wirken auf den Kranken zu ernst unddüster. Aber noch weniger entsprechen sie dem Wünschenswerten, weilsie nicht so gut gereinigt werden können als die hellen Waschkleider,welche einer häufigen und peinlichen Desinfection zugänglich sind, einVorzug, der gerade im Krankendienst, wo Uebertragungen von Infections-stoffen leichter möglich sind als sonst, von ganz besonderer Bedeutungist. Peinlichste Sauberkeit hinsichtlich der Kleidung der Pflegepersonenist eine unerlässliche Forderung sowohl im Hinblick auf das Wohl derKranken, als auch dasjenige der Pflegepersonen selbst, welche in dersorgsamsten Reinlichkeitspflege an Körper und Kleidung ein wichtigesMittel in der Hand haben, um sich vor Ansteckung im Berufe zuschützen.

In dieser Plinsicht ist zu berücksichtigen, dass man Verunreinigungen(Flecke) auf hellem Untergrunde viel leichter wahrnimmt als auf dunklem;auch ist experimentell festgestellt, dass sich Infectionserreger auf dunklenKleidungsstoffen länger lebensfähig erhalten als auf hellen. Die Frageder Pfleger-Kleidung, in den für die Krankenpflegepersonen bestimmtenAnleitungen nur kurz gestreift, ist besonders eingehend vor Kurzem vonSpener behandelt worden (vgl. Deutsche Krankenpflege-Ztg. 1898.pag. 124 ff.), der auch die einschlägige Litteratur genauer anführt. An-gesichts der mannigfaltigenUniformirungs-Vorschriften", wie sie dieverschiedenen Krankenpflege-Genossenschaften ausgearbeitet haben, umihre Angehörigen von einander zu unterscheiden und abzugrenzen,empfiehlt Spener sehr treffend, dem Uebelstande, dass das Ordenskleidheute mehr und mehr zuranpreisenden Livree" geworden ist, dadurchentgegenzutreten, dass gleichzeitig mit der auch sehr erstrebenswerthenstaatlichen Approbation der Krankenpflegepersonen eine für das ganzeLand einheitliche, zweckmässige Tracht eingeführt wird, welche aus-schliesslich von den geprüften Pflegepersonen getragen werden darf;