33i v. KNEBEL
Varnhagen hatte im August 1833, sofort nach dem Tode seinerberühmten Gattin (7. März), aus deren Nachlaß eine kostbare Aus-lese veranstaltet: „Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde.Als Handschrift. Berlin. 1833." Die tiefe Wirkung, die von demBuche ausging, rechtfertigte seine Erweiterung auf drei Bände, die1834 bei Duncker & Humblot in Berlin erschienen. Mit der Druck-legung dieses dreibändigen Werkes war er im Frühjahr 1834 be-schäftigt. Die Herausgabe des Knebeischen Nachlasses selbst zuübernehmen, dazu fehlten ihm Zeit und Neigung. Er lehnte daherdie ihm zugedachte Aufgabe ab, scheint sich aber bereit erklärt zuhaben, eine gewisse Oberaufsicht bei der Redaktion zu führen, auchseinen Namen dazu herzugeben; als eigentlichen Herausgeber schluger den jungen Theodor Mundt vor, von dessen Fähigkeiten er einegute Meinung hatte; und der jungdeutsche Schriftsteller, der damalsnur erst in den engsten literarischen Kreisen einigen Ruf besaß, ließsich die freundlich dargebotene Protektion des zwar auf Wartegeldgesetzten, aber durch seine politischen und literarischen Verbindungensehr einflußreichen Legationsrats gern gefallen. Varnhagens Briefean den Kanzler v. Müller schlummern vielleicht in seinem Nachlaß,der, da ihn das Goethe-Archiv in Weimar verwaltet, von mir nicht be-nutzt werden konnte. Nach seinem Brief Journal antwortete Varnhagenanscheinend erst am 4. Mai in dem vorhin angedeuteten Sinne. Ministerv. Altenstein, der es liebte, sich persönlich möglichst unsichtbar zumachen, dürfte durch einen Mittelsmann, jedenfalls den Geh. Ober-regierungsrat Johannes Schulze, mit Varnhagen über das beabsich-tigte Buch verhandelt und von ihm die gleiche Antwort wie derKanzler erhalten haben. Mundt war damals persona grata im Kultus-ministerium; er wollte sich an der Berliner Universität habilitieren,und Johannes Schulze hatte ihm für die Übergangszeit bis zur Pro-fessur eine einträgliche Beschäftigung im Ministerium selbst in Aus-sicht gestellt. Von all dem dürfte Altenstein unterrichtet gewesensein, er wird also dem Vorschlag, Mundt mit der neuen Arbeit zubetrauen, bereitwilligst zugestimmt haben. Das ist zu schließen ausv. Müllers nächstem Brief vom 8. Mai, in dem er schreibt: „Herrvon Altenstein möge seine guten Vorsätze doch ja nicht vertagen!Er hat einem jungen, mit der Knebeischen Familie vertrauten Manne,D. Beyer, der vor kurzem von Berlin nach Jena heimgekehrt ist,aufgetragen, ihm schnell möglichst ein Verzeichniß aller vorhandenenMaterialien u. Manuscripte zu fertigen u. zuzuschicken; das solldenn auch geschehen. Ich werde auf jede Weise antreiben, abervor allem wird nöthig sein, daß v. Altenstein seine eignen Remi-niscenzen und Anschauungen von Knebels Eigentümlichkeit demH. Mundt mittheile; denn durch die höchst wichtige Einwirkung,die Knebel einst auf die ganze Sinnes- u. Lebensrichtung Altensteins