Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
224
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2'24 P.Jacobsohn .

in der Mehrzahl allein auf llüssige Kost angewiesen sind, hat da-zu geführt in den grösseren allgemeinen Krankenhäusern besondereDiätformen" zu normiren, welche in 3 oder 4 Abstufungen (als I.II. etc. Form bezeichnet) von der Kost der Gesunden bis zu der derSchwerkranken führen. Mit diesen Diätformen, wie sie in den ein-zelnen Anstalten in bestimmten Diätformiliaren, die sich jedoch nichtsehr wesentlich von einander unterscheiden, fixirt werden, ist die perso-nelle Krankenwartung genau vertraut zu machen, um die gegebenenGrundlagen für die Ernährung der Kranken, deren Zusammensetzung derArzt ständig controllirt, zu kennen. Durch die bei der Nahrungsdar-reichung gemachten Wahrnehmungen über diethatsächlicbe Nahrungs-aufnahme" und die Bekömmlichkeit der dargereichten Speisen im Einzel-falle sind die Pflegepersonen in der Lage dem die Gesammtbehandlungleitenden Arzte werthvolle Aufschlüsse, Handhaben, auch hier und daeinmal Vorschläge die Krankenernährung betreffend zu bieten. Umeinem zu grossen Schematismus in der Speisendarreichung, wie er sonstleicht die Folge der fixirten Diätformeh sein könnte, vorzubeugen,empfiehlt es sich in den Krankenhäusern durch die sog.Extrazulagen"zu den einzelnen Formen eine grössere Abwechslung und Mannigfaltig-keit zu ermöglichen. Eine ausserordentlich wichtige Aufgabe der perso-nellen Krankenwartung besteht in der Verhütung vonDiätfehlern";durch sorgsame Aufmerksamkeit nach dieser Richtung können schwereSchädigungen der Kranken, wie sie nicht selten durch ihre eigene Un-besonnenheit und die der sie besuchenden Personen herbeigeführt werden,vermieden werden.

Eine besonders schwierige und zeitraubende Aufgabe der Kranken-wartung bildet sodann der Umgang mit den Kranken, welcher sehr vielGeduld, Güte, Takt, Umsicht und Ueberlegung erfordert. Die Kranken-pllegepersonen nehmen dem Arzte im Umgänge mit den Kranken einwichtiges Stück psychischer Beeinflussung und Behandlung ab und könnendaher durch ihr geeignetesVerhalten die therapeutischen Erfolge wesentlichunterstützen. Mit Recht legen die Aerzte neuerdings ein besonderes Gewichtauf die ihnen zu Gebote stehenden psychischen Heilmittel, deren Be-deutung für die Krankenbehandlung früher unterschätzt wurde, und zweifel-los kommt dem psychischen Eintluss, den der Arzt auf den Krankenübt, eine grosse Bedeutung nicht nur für dessen subjeetives Wohlbefinden,sondern auch für seine thatsächlichen Genesungsfortschritte zu; aber wennman erwägt, dass der Arzt in den Krankenanstalten sowohl wie in derprivaten Praxis doch nur kurze Zeit am Krankenlager verbringt, währenddie Pflegepersonen die dauernde Umgebung des Kranken bilden, so wirdes klar, dass die Letzteren in der Lage sind zu der psychischen Ge-sammteinwirkung recht wesentlich beizutragen. In Anerkennung dieserVerhältnisse hat man in neuerer Zeit bezl. der personellen Krankenwartungdie Forderung aufgestellt, dass man die Gewinnung eines Pflegepersonalsanstrebe, welches in der Lage sei seinen Umgang mit den anvertrautenKranken, also vornehmlich seine Gespräche mit den Kranken selbst sowie