Fürsorge auf dem Gebiete der Krankenwartung. 207
wortungsvollen und schwierigen Berufe, wie ihn die Krankenpllegethätig-keit darstellt, genügt es nicht, den einzelnen Pflegepersonen eine gleich-artige und den Fortschritten der "Wissenschaft entsprechende Ausbildungund Berufserziehung zu vermitteln, sondern es benöthigt auch der Ge-wahrleistung einer andauernden Aufrechterhaltung der beruflichen Leistungs-fähigkeit, sowohl nach der .ethischen als der technischen Seite hin. Inbeiden Beziehungen vermag die genossenschaftliche Organisation Guteszu leisten. Aul ethischem Gebiete giebt sie den einzelnen Verbands-angehörigen einen festen Halt, indem sie durch den Zwang zur strengenInnehaltung der dem Verbände zu Grunde gelegten Satzungen die Mög-lichkeit zum Abweichen von den Berufspflichten aufhebt oder doch er-heblich erschwert und durch das der Oberleitung des Verbandes jeder-zeit zustehende Recht der unmittelbaren Verfügung über Art, Ort undDauer der Thätigkcit eine dauernde Ueberwachung und Controlle dereinzelnen Verbändsmitglieder herbeiführt. Auf technischem Gebiete wirktdie genossenschaftliche Organisation vorteilhaft, indem sie einen gleich-sam militärischen Zug von Ordnung, Gehorsam, Schulung, beruflichemEhrgeiz und Kameradschaftlichkeit in den einzelnen Persönlichkeiten her-vorruft, in Folge dessen sich dieselben als gleichartige Glieder eineridealen und nützlichen Zwecken dienenden Gemeinschaft fühlen und ausder dauernden Berührung mit ähnlich erzogenen, ähnlich denkenden undähnlichen Bestrebungen gewidmeten Menschen auch in berufstechnischerHinsicht einen guten Anhalt gewinnen. Sicherlich sind in derartigenGesichtspunkten die Grundprincipien und die wichtigsten inneren sach-lichen Motive ausgesprochen, welche dem Genossenschaftswesen geradeauf dem Gebiete der Krankenpflege eine so bedeutende und nachhaltigeAusbreitung verschafft haben. Dabei ist es ziemlich irrelevant, ob wiebei den katholischen Krankenpflege-Orden ein mit der Leitung betrauterRcctor und eine Generaloberin bezw. Aebtissin oder, wie bei den Dia-konissenhäusern, ein Pfarrer und eine geistliche Oberin oder, wie beiden weltlichen Krankenpflege-Genossenschaften ein leitendes Verwaltungs-Ouratorium und eine weltliche Oberin an der Spitze der Organisationstehen. Aber es besteht noch ein anderer Gesichtspunkt von grosserWichtigkeit, der für die Bedeutung der genossenschaftlichen Organisationauf dem Gebiete der Krankenpflege voll in die Waage fällt. Das istdie Möglichkeit, innerhalb der Genossenschaften für die einzelnen Kranken-pflegepersonen bezüglich ihrer materiellen Festigung und Sicherstellungin ausgiebigem Maasse sorgen zu können. Es ist diese Fürsorge keines-wegs nur vom humanitären Standpunkte zu würdigen, sondern sie hatzweifellos auch einen seeundären nicht zu unterschätzenden therapeu-tischen Werth. Ausser Frage ist es, dass Personen, welchen die steteSorge um das tägliche Brot, der dauernde, mitten in den vielfachenFährnissen des Lebens vor sich gehende Kampf ums Dasein, die Un-sicherheit gegenwärtiger und zukünftiger Existenz ganz oder doch imWesentlichen abgenommen wird, sich mit Einsetzung einer volleren Kraftund mit grösserer, rein auf das Ideelle gerichteter Hingebung einem Berufe