Fürsorge auf dorn Gebiete der Krankenwartung. 205
gelaufene Anzahl junger Menschen jeglichen Berufes: Kaufleute, Medi-aner, Juristen, Bäcker, Schuster, Schneider, im Winter häufig Gärtner —kurz, alle Stände sind vertreten und die allerwenigsten sind Berufs-pfleger. Für den Winter sucht eben Mancher Unterschlupf, indem ereinmal versucht, Krankenpfleger zu werden, um sich für einige Monateordentlich verpflegen zu lassen. Das sind die Leute, denen wir unsereKranken anvertrauen müssen! Da scheint es mir wahrlich nicht werth-los, uns nach Anderem, so nach männlichen Diaconieseminareii, umzu-sehen." Allerdings ist, so wünschenswerth auch wir Versuche in dererwähnten Richtung halten, bis jetzt der Dietrich'sche Vorschlag nochnicht zur Ausführung gelangt; hoffentlich bringt die nächste Zukunft indieser Frage erfreuliche Neuerungen. Nicht minder wichtig erscheintuns eine I-Iebung und Vervollkommnung der männlichen Kranken Wartungauf dem Gebiete der Privatkrankenpflege. Wenn auch die sich selbst-ständig dem Privatpflegeberuf widmenden Männer zum Theil aus älteren,erfahreneren Personen bestehen, die zuvor längere Zeit in der Hospital-pfiege thätig waren, so finden sich doch auch unter den Privatpflegerneine nicht geringe Zahl von Leuten, welche ihre Thätigkeit zu hand-werksmässig und ohne rechtes Vcrständniss für ihre beruflichen Auf-gaben betreiben; bei vielen lassen auch fachliche A'orbildung undLeistungsfähigkeit erheblich zu wünschen übrig. Und doch ist es ange-sichts der so geringen und bei Weitem dem Bedürfnisse nicht ent-sprechenden Zahl der von den kirchlichen Genossenschaften zur Ver-fügung gestellten männlichen Pflegepersonen ausserordentlich tiothwendig,dass hier Wandel geschaffen und für zahlreicheres, gut ausgebildetes,ethisch und technisch höher stehendes Personal gesorgt wird. Anschei-nend ist es mir erfreulicherweise gelungen, selbst nach dieser Richtunghin zu einer Besserung der bisherigen Verhältnisse beizutragen, indemich mich bemühte, eine Standes-Organisation der selbstständigen Kranken-pflegepersonen, der männlichen wie der weiblichen, und zwar zunächstder in der Privatpflege beschäftigten, in die Wege zu leiten, welche sichsowohl die ethische als berufstechnische Fortbildung der selbstständigenKrankenpfle&epersonen zum Ziel gesetzt hat, freilich aber bei der erstkurzen Zeit, die seit der Begründung verflossen ist. bisher nur eine ver-hältnissmässig geringe Ausdehnung erlangt hat (vgl. Deutsche Krankenpfl.-Ztg. 1898. pag. 87 und 1899. pag. 29, 61). Hoffentlich liefert die Be-schreitung dieses neuen Weges auch weiterhin eine brauchbare Beihilfezur Vervollkommnung der personellen Krankenwartung, insbesondere auchder männlichen! Vielleicht gelingt es auch, ähnliche Standes-Vereini-gungen für die Anstaltspflege zu schaffen, und so auch in dieser Fort-schritte zu erreichen.
7. Genossenschaftspflege und freie Krankenpflege.
Schon aus den" vorhergehenden Erörterungen ist zu ersehen, wiegrosse Schwierigkeiten sich heutzutage dem Bestreben entgegenstellen,