Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
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204
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204 f. Jacobsohn,

und zweckmässiger gewesen als bezüglich des männlichen Pflegeperso-nals, bei welchem derartige ärztliche Bestrebungen erst in der allerletztenZeit hervorgetreten sind. Während sowohl die Aufnahmebestimmungenfür die in die verschiedenen geistlichen und weltlichen Krankenpflege-genossenschaften, welche weibliche Kräfte für die personelle Kranken-wartung heranbilden, eintretenden Schülerinnen ziemlich strenge Auswahlunter den Berufsaspirantinnen zu halten gestatten, als auch die in denSatzungen für die Berufsausübung niedergelegten Grundsätze, im Be-sonderen der enge, dauernde Anschluss an die Verwaltung und Leitungder Mutterhäuser eine stetige Controle über die geschulten Pilege-schwestern ermöglichen, entbehrten die männlichen Pflegepersonen fastgänzlich zuverlässiger Institutionen für die Abhebung der für die Kranken-pflegethätigkeit geeigneten Personen von den ungeeigneten und für diedauernd unvermindert zu erhaltende Berufstüchtigkeit und Leistungs-fähigkeit. In diesem Umstände lag einer der Gründe, welche die Herab-setzung des Ansehens des männlichen Pflegepersonals überhaupt bewirkthaben, die ihrerseits wiederum eine Einschränkung der beruflichen Wirk-samkeit für diese Pflegegruppe zur Folge gehabt hat. Mit Recht klagteDietrich noch vor Kurzem in seinem trefflichen AufsatzeBrauchenwir männliche Pfleger?" (Deutsche Krankenpflege-Ztg. 1898. pag. 5):Das männliche Pflegepersonal, das man jetzt meist in Kranken- undIrrenhäusern findet, können wir vielfach nicht gebrauchen. Ich meinedie Hauptmasse der Wärter, die ausserhalb der Krankenpflegegenossen-schaften stehen. AVohl giebt es auch unter den Privatkrankenwärterntüchtige und geeignete Leute, die ihre Kranken mit Lust und Liebe zurSache und nicht ausschliesslich um des Lohnes willen gut versorgen,aber das sind Ausnahmen. Geht man die grossen und die kleinenKrankenhäuser durch, so findet man allerorts Leute als Wärter angestellt,die als Reconvalescenten oder aus einer niederen Dienststellung imKrankenhause oder in der Verwaltung einfach in den Krankendienst über-nommen sind. Für die Krankenpflege fehlt ihnen vor allen Dingen eins,das ist die Herzensbildung, das Mitleid, die Liebe zu den Kranken, dieunwillkürlich zu einem verständigen, klugen, einsichtsvollen und für denKranken allein zweckmässigen Benehmen in der Krankenpflege führt."Dietrich tritt in seiner Arbeit, deren Ausführungen wir nur vollkommenzustimmen können, warm für eine ausgedehntere Heranbildung und Ver-wendung männlichen Genossenschaftspersonals ein nach dem Vorbildeder barmherzigen Brüder und der Diakonen; er schlägt insbesondere vor,auch mit männlichen Diaconieseminaren (nach Art des Zimmer'sehenDiaconie-Vereins) und männlichen Pflegern in den Vereinen vom rothenKreuz einen Versuch zu machen. Auch Waldschmidt (vgl. DeutscheKrankenpflege-Ztg. 1898. pag. 160) befürwortet die Beschreitung diesesWeges zur Verbesserung der männlichen Pflegekräfte; er giebt eineäusserst charakteristische Schilderung des gegenwärtig meist vorhandenenmännlichen Anstaltspersonals, indem er sagt:Ausser einem relativkleinen Stamm tüchtiger älterer Leute bildet das Gros eine zusammen-