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2,1 (1902)
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Fürsorge auf dem Gebiete der Kranken Wartung. 201

macht sie ganz naturgemäss auch in hervorragendem Maasse ge-schickt und fähig, die treu sorgende Pflege und Obhut kranker Per-sonen zu übernehmen. Ist es doch auch die natürliche Aufgabe derFrau die Pflegerin erkrankter Familienangehöriger zu sein und ihnennach Kräften in den Stunden des Leidens, der Schmerzen, der Arbeits-unfähigkeit lindernd, tröstend und hilfreich Beistand zu leisten. Soweist die natürliche, der altgewohnten Ordnung menschlicher Verhältnisseentsprechende Bestimmung der Frau diese deutlich auf ein Arbeitsfeldund eine Berufstätigkeit hin, welche, wie die Krankenpflege, ihr dieMöglichkeit bietet, die schönsten, erhabensten und edelsten Seiten ihresNaturells zur Geltung zu bringen und in nützlicher, segensreicher Weisezu verwerthen. Und so sehen wir auch seit den frühesten Zeiten, indenen überhaupt eine geordnetere personelle Krankenwartung entstand,besonders diejenigen Frauen sich der dauernden Ausübung der Kranken-pflegethätigkeit zuwenden, welchen die ihren ursprünglichen Lebensinhaltdarstellende Fürsorge für die. eigenen Familienmitglieder unmöglich war,nämlich die verwittweten und ehelosen Frauen; diese fanden und findengerade in der Ausübung der Krankenpflegethätigkeit eine beglückendeLebensaufgabe und einen befriedigenden Lebensinhalt, gewissermaassenein geeignetes Surrogat für die ihnen versagte Fürsorge in der eigenenFamilie. Im Krankenpflegeberufe finden sie in ausgiebigem Maasse Ge-legenheit, dem sie gern willkommen hoissenden, ihre Hilfe ersehnendenKranken liebevoll, umsichtig, treu und aufopfernd seine Leiden zulindern, für ihn zu denken, ihm zu rathen, ihn zu bedienen, ihm alledie kleinen Handreichungen mit leichter, geschickter Hand zu Theilwerden zu lassen, deren er bedarf; am Krankenbette können sie weib-liche Tugenden und Tüchtigkeiten, wie peinliche Ordnungsliebe und Sauber-keit, Güte, Milde, Sanftmuth, Geduld, Gehorsam, Treue aufs Beste be-thätigen und üben. Es ist somit sehr erklärlich, dass dieser innerenPrädestination der Frauen für die Ausübung der personellen Kranken-wartung auch ihre Leistungen auf diesem Gebiete entsprochen haben,und es kann ebensowenig ein Zweifel darüber sein, dass diese durchden langen Zeitraum der Jahrhunderte in immer wachsendem Maasseund Umfange prästirten Leistungen unsere grösste Achtung und Werth-schätzung herausfordern. Die vorzügliche Bewährung der weiblichenKrankenpflege hat in neuerer Zeit zur Folge gehabt, dass die Ansicht,dass das weibliche Geschlecht sich überhaupt für die Krankenpflegebesser eigne als das männliche, eine allgemeinere Verbreitung gefundenhat, und demgemäss ist die männliche Krankenpflege in der letztenEpoche mehr und mehr von der weiblichen eingeengt und verdrängtworden. Auf Grund langjähriger Erfahrung haben sich eine Reihe her-vorragender Acrzte dahin ausgesprochen, dass im Allgemeinen dieKrankenpflege durch Frauen und Mädchen vor der durch männlichePflegepersonen zu bevorzugen sei. So sagt z. B. v. Leyden (UeberSpecialkrankenhäuser, 1890, pag. 9):Gegenwärtig ist es wohl ziemlichallgemein anerkannt, dass die weibliche Krankenpflege als die vorzüg-