Pursorge auf dem Gebiete der forantenwartung. Id1
5. Coufessionelle und interconfessionelle Krankenpflege.
Ausgehend von der Thatsache, dass die ersten geordneten unddauernd in Wirksamkeit getretenen Krankenpflege-Organisationen sich,wenn wir die geschichtliche Entwickelung der personellen Kranken-wartung verfolgen, auf dem Boden der christlichen Kirche finden, hatman in früheren Zeiten in ausgedehntem Maasse geglaubt, dass die Aus-übung des Krankenpflegeberufes an die Zugehörigkeit zu einer bestimmtenconfessionellen Gemeinschaft gebunden sein müsse. Man hat in demUmstande,dass eine anerkanntermaassenfürdie zeitlichen wissenschaftlichenFortschritte vorzüglicheKrankenwartungJahrhunderte hindurch ausschliess-lich in den Händen der katholischen geistlichen Orden lag, einen Beweisdafür erblicken wollen, dass allein das katholische Bekenntniss eine ge-eignete Basis für eine erfolgreiche Bethätigung in der Krankenpflege ab-geben könne. Erst durch die segensreiche Wirksamkeit der auf evange-lischem Boden erwachsenen Diakonen- und Diakonissen-Anstalten wurdeder unwiderlegliche Nachweis geliefert, dass die Eignung zur personellenKränkenwartung nicht an die Zugehörigkeit zur katholischen Confessiongeknüpft sei. Wenn nun auch angesichts dieser Verhältnisse nicht mehrdie Annahme zu recht bestehen konnte, dass eine einzelne bestimmteconlessionelle Richtung (die katholische) für sich das alleinige Vorrechtin Anspruch nehmen dürfe, geeignete Krankenpflegepersonen zur Ver-fügung zu stellen, so wurde doch eine Zeit lang die Ansicht festgehalten,dass eine zweckentsprechende Krankenpflegethätigkeit nur von Personengeleistet werden könne, welche einer geistlichen Krankenpflege-Vereini-gung, wie sie die katholischen Orden der barmherzigen Brüder undbarmherzigen Schwestern und die evangelischen Diakonen- und Diako-nissenhäuser darstellen, zugehören. Aber auch diese Anschauung er-zeigte sich als hinfällig angesichts der Thatsache, dass auch die seit derMitte des 19. Jahrhunderts ins Leben gerufenen und in gedeihlicherWeise weiterentwickelten weltlichen Krankenpflege-Vereinigungen einPersonal für die Krankenwartung lieferten, das den ärztlichen Anforde-:rangen gerecht wurde. Die vorzüglichen Erfolge insbesondere der eng-lischen weltlichen Krankenpflegerinnen trugen wesentlich dazu bei, auchden weltlichen Krankenpflege-Vereinigungen und den von ihnen aus-gebildeten und erzogenen Pflegekräften in wachsendem Maasse An-erkennung und Ansehen zu sichern. Ebenso gelang es auch den deutschenVereinen vom Rothen Kreuz, welche gleichfalls weltlicher Natur sind,unter der fördernden Protection hochgestellter und einflussreicher Persön-lichkeiten in ihren vorwiegend im Hinblick auf die Kriegskrankenpflegebegründeten Krankenanstalten und den sich an dieselben anschliessendenPflegerinnenschulen weltliche Krankenpflegekräfte auszubilden, die sichgut bewährt haben. Das Gleiche gilt von der nach englischem Mustereingerichteten Pflegerinnenschule des Victoriahauses in Berlin, derenLeistungen in ärztlichen Kreisen sich sogar besonderer Anerkennung zuerfreuen hatten (vgl. v. Leyden, Ueber Specialkrankenhäuser, pag. 10),