LOO P. Jacobsohn,
Krieges oder eines plötzlichen Nothstandes darstellen, sondern inFriedenszeiten sich auch mit bestem Erfolge der Hospital-, Privat-um! Gemeindepflege widmen. Unabhängig von diesen „Roth-Kreuz-genossenschaften" finden sich in Deutschland noch eine Anzahlkleinerer weltlicher Vereinigungen, welche die Ausbildung von Kran-kenpflegerinnen zum Zweck haben; die bedeutendsten derselben sinddas Victoriahaus für Krankenpflege in Berlin, eine nach englischemMuster eingerichtete Pflegcrinnenschule, ferner der Frauenlazarethvereinin Berlin mit der Pflegerinnenschule des Augustahospitals sowie derKrankcnpflcgeverein für Schönebeck und Umgegend und der Verein zurAusbildung von Krankenpflegerinnen in Bremen. Diesen weltlichenKrankenpflege-Vereinigungen reihen sich noch einige Genossenschaftenan, welche gewissermaassen einen Uebergang zu den kirchlichen Ver-einigungen bilden dadurch, dass sie zwar nicht als directe Organeder Kirche zu betrachten sind, aber doch durch ihre confessionelleSonderstellung den rein kirchlichen Organisationen näherstehen. Hierhergehört der 1894 begründete „Evangelische Diakonie-Verein" sowie diegleichfalls seit 1894 ins Leben gerufenen „Vereine für jüdische Kranken-pflegerinnen".
Alle diese theils kirchlichen, theils weltlichen Krankenpflege-Organisationen, über deren geschichtliche Entwickelung nähere Angabenin dem von Dietrich bearbeiteten Capitel von Band I dieses Hand-buches, auf das wir zur eingehenden Orientirung in dieser Hinsicht ver-weisen, niedergelegt sind, beschäftigen sich in der Hauptsache mit derErziehung und Heranbildung von berufsmässigem Pflegepersonal, zumeistvon Krankenpflegerinnen, und demzufolge repräsentiren die von diesenVereinigungen ausgebildeten und der Oeffcntlichkeit zur Verfügung ge-stellten Pflegepersonen in ihrer Gesanimtheit das Hauptcontingent der zurZeit für die personelle Krankenwartung in Frage kommenden Hilfsmittel.Nach Dietrich (1. c. pag. 181) kann das insgesammt von den vorge-nannten Vereinigungen gelieferte Krankenpflegepersonal auf ca. 5000 männ-liche und 27 000 weibliche Pflegekräfte geschätzt werden, wobei dievom „Rothen Kreuz" zu freiwilligen Kriegshelfern ausgebildeten, abernicht zu Berufspflegepersonen geschulten 13000 Mitglieder von Sanitäts-kolonnen etc. nicht miteingerechnet sind.
Immerhin besteht trotz dieser umfangreichen Vereinsthätigkeit fürdie Zwecke der personellen Krankenwartung noch immer ein sehr fühl-barer Mangel an berufstüchtigem Pflegepersonal, und es ist dabei'ausserordentlich wünschenswerth, dass immer neue Hilfskräfte in geeig-neter AVeise für die Krankenpflege gewonnen werden. Bei der unge-heuren Zahl der überhaupt vorkommenden Erkrankungsfälle, welchetheils in den Krankenanstalten, theils im Privathause zur Behandlungkommen, ist eine jede neue Organisation, die mit Ernst denZweck verfolgt, gutes Personal für die Krankenwartung' zu liefern,von ärztlicher Seite mit Freude zu begrüssen und andererseits zuwünschen, dass die bereits länger bestehenden und bewährten Kranken-