Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
185
Einzelbild herunterladen
 

Fürsorge auf dem Gebiete der Krankenwartung. 185

bunden ist, ferner die Pflegcpersonen häufig in dauernden nahen Verkehrmit ansteckenden Kranken bringt, so muss der Arzt auch an die phy-sische Qualität, der berufsmässigen Pfleger und Pflegerinnen gewisse un-erlässliche Ansprüche stellen, welche sowohl im Hinblick auf eine hin-reichende Leistungsfähigkeit am Krankenbette, also aus therapeutischenErwägungen heraus, als auch im Interesse der sich der ausübendenKrankenpflege AVidmenden selbst geboten sind. Der Krankenpflegeberuferfordert einen absolut gesunden und widerstandsfähigen körperlichenZustand. Nur ein Gesunder kann einem Kranken helfen gesund zuwerden. Wer Kranke gut warten und pflegen will, muss aller Sorgen,die der eigene körperliche Zustand hervorruft, überhoben sein, weil ersich sonst nicht mit aller Kraft in seiner Fürsorge dem Kranken zu-wenden kann. Die Pflegethätigkeit hat die Fähigkeit körperliche An-strengungen, ja Strapazen (Nachtwachen!) ohne Schaden ertragen zukönnen zur Voraussetzung, sie verlangt körperliche und geistige Spann-kraft, Behendigkeit, Elasticität in den Bewegungen und in der Reactionauf psychische Einwirkungen. Schwächliche, mit Gebrechen behaftete,kränkliche Personen sind für die Krankenpflege nicht zu verwenden,ebensowenig Nervöse. Auch die Einwirkung auf den Krauken verdienthierbei Berücksichtigung, in die Hand von Personen, die geistig undkörperlich frisch sind und einenHauch von Gesundheit" ausstrahlen,legt der Kranke gern, beruhigt und voll Vertrauen die Sorge für seinWohl, die kraftvolle Ruhe des Gesunden ermuthigt ihn, sein psychischesGleichmaass, seine lebensfrohe Heiterkeit stärkt das Vertrauen desKranken. Die Krankenpflege ist zweifellos eine Berufsthätigkeit, dienicht nur Anstrengungen erfordert, sondern auch mit gesundheitlichenGefahren verbunden ist, mehr als die meisten anderen Berufe. Siegleicht auch hierin, wie in so Vielem, dem Berufe des Arztes. Nur istes ausser Frage, dass die Möglichkeit sich am Krankenbette zu in-ficiren, für die Krankenpflegepersonen ungleich grösser ist als für denArzt, da sie andauernd, Tag und Nacht, in der nächsten Umgebungdes Kranken thätig sind und mit seinem Körper in eine öftere undinnigere Berührung kommen als er. Auch aus diesem Grunde mussder Arzt Werth darauf legen, dass die Krankenpflegepersonen eine gutekörperliche Widerstandsfähigkeit und eine geeignete Constitution be-sitzen. Und so ergiebt sich die Regel, dass eine durch gründliche ärzt-liche Begutachtung geprüfte Gesundheit mit zu den nothwendigen Anfor-derungen für die personelle Krankenwartung gehört. Desgleichen müssendie sich der Krankenpflege Widmenden in einem geeigneten Lebensalterstehen. Ein Beruf, der an die physische Leistungsfähigkeit erheblicheAnsprüche stellt, verlangt das Einsetzen der Vollkraft und Rüstigkeit.Das Pflegepersonal soll weder zu alt noch zu jung sein. Auf diesenPunkt muss besonders auch beim Eintritt in den Beruf geachtet werden.Allgemein wird heute als das geeignetste Lebensalter für die Aufnahmeder Pflegethätigkeit der Zeitraum vom 23.30. Lebensjahre betrachtet,und die meisten Krankenpflege-Organisationen legen diese Norm in ihren