Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
183
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Fürsorge auf dem Gebiete der K ranken Wartung. 183

über Volksschulbidung verfügen, in hinreichendem Maasse gerecht werden.31an muss doch auch bedenken, dass nur in selteneren Fällen Krankezu pflegen sind, welche den höheren Gesellschaftskreisen angehören, unddass das Gros aller Kranken überhaupt, insbesondere das die Hospitälerbevölkernden, in höherem Maasse Werth darauf legen wird, Personenhilfreich an der Seite zu haben, welche ihr eigentliches Fach tüchtigverstehen und ihrem Charakter nach geeignet sind, als solche, welchedurch die Höhe ihrer sogenanntenallgemeinen Bildung" glänzen. BeiSchwerkranken drängt ja überhaupt der eine sehnliche Wunsch, rechtbald wieder gesund zu werden, alle übrigen Bedürfnisse erheblich zurück!Und es ist doch auch schwer einzusehen, warum zur Abwartung undPflege eines krank darniederliegenden, an die einfachste Lebenshaltunggewöhnten Landarbeiters unbedingt eine Krankenpflegeperson erforderlichist, welche geläufig französisch und englisch spricht und die Dichtungendes modernsten Poeten auswendig weiss. Hier wird eine einfacherenKreisen entstammende, mit der erforderlichen natürlichen Begabung undeiner gründlichen Fachausbildung versehene Pflegeperson sicherlich mehram Platze sein und sich allen Anforderungen hinreichend gewachsenzeigen. Nun ergiebt sich aber die Schwierigkeit, dass Personen, derennatürliche Charaktereigenschaften sie in hervorragendem Maasse geradefür den Krankenpflegeberuf geeignet erscheinen lassen, gar nicht sohäufig anzutreffen sind, als dies bei der ungeheuren Zahl der überhauptvorkommenden Erkrankungen zu wünschen wäre, und es würde daherder Mangel an geeignetem Pflegepersonal ein ausserordentlich grosser undfühlbarer sein müssen, wenn man sich allein auf diejenigen Personenbeschränken würde, welche ein ausgesprochenes Talent für die Kranken-pflege und eine besondere angeborene Begabung gerade für diesen Berufmitbringen. Glücklicherweise hat aber die Erfahrung gezeigt, dass sichdurch eine länger dauernde geeignete Schulung und specielle Berufserziehungauch bei vielen Personen, deren angeborene Befähigung für den Kranken-pflegeberuf in der oder jener Beziehung zu wünschen übrig lässt, doch eineanerkennenswerthe Stufe beruflicher Tüchtigkeit erreichen lässt, so dassdie Betreffenden alsdann in der Lage sind, die ihnen erwachsenden Auf-gaben in durchaus zufriedenstellender Weise zu erfüllen, selbstverständ-lich aber nur bei vorhandenem guten Willen und dem nöthigen Eifer. Natur-gemäss macht sich auch hierin eine Grenze bemerkbar, und Personen,welche hinsichtlich ihrer Charakteranlage geradezu als für den Kranken-pflegeberuf ungeeignet bezeichnet werden müssen, also besonders leiden-schaftliche, nervöse, ungleichmässigc, leichtlebige, egoistische Personenwerden selbst bei der besten Fachausbildung niemals etwas Besonderesin der Krankenwartung leisten und sollten daher stets diesem Berufefern bleiben. Eine Reihe ethischer Anforderungen, welche der Arzt gleich-falls an die Krankenwartung stellen muss, sind in Vorstehendem nochnicht berührt worden: Verschwiegenheit, Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Wahr-haftigkeit und Pünktlichkeit; doch auch die Erfüllung dieser Pflichtenist bei der Ausübung des Krankenpflegeberufes von ganz hervorragendem