Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
174
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174 P. Jacobsohn,

und wir wollen uns daher mit einigen Beispielen begnügen; so sei daranerinnert, wie im Nothfalle ein umgekehrter Stuhl eine Rückenstütze,ein vom Kopf- zum Pussende des Bettes gespannter Strick einen Eis-beutelträger, zwei an den Bettpfosten gebundene Handtücher einenKrankcnaufrichtcr, ein Leinwandkranz ein Gummiluftkissen, ein heisserTopfdeckel eine Metallwärmflasche, eine Tasse mit darüber gestülptemBlechtrichter einen Inhalationsapparat, eine umgekehrte Weinflascheeinen Irrigator, eine Theekanne eine Schnabeltasse, eine Waschschüsseleine Armbadewanne etc. ersetzen kann. Freilich darf man nicht ver-gessen, dass alle diese Improvisationen eben nur Nothbehelfe sind, dieimmerhin auch ihre Mängel haben und doch nicht ganz dasselbe leistenwie die eigens für den betreffenden Zweck construirten Gcräthe. Woes daher die Geldmittel irgend gestatten, sollte von Seiten des Arztesdarauf gedrungen werden, dass für den Kranken die erforderlichen tech-nischen .Hilfsmittel und Pflegeapparate besorgt werden. Glücklicherweisehaben die Portschritte der Technik dahin geführt, dass eine sehr grosseZahl der Pflegegeräthe heutigen Tages zu viel geringerem Preise ab-gegeben werden kann, als dies früher möglich war; vereinfachte Her-stellungsverfahren, vereinfachte Construction, Benutzung wohlfeilerer Ma-terialien (Surrogate!) haben in gleichem Maasse dazu beigetragen.Jedenfalls steht fest, dass der Kranke um so mehr in seiner Genesungunterstützt wird, in je höhcrem Grade er in den Stand gesetzt wird,sich aller dieserkleinen Hilfsmittel", die in ihrer Gesammtheit docheine wichtige Förderung für seine Gesundung bilden, zu bedienen. Er-freulicherweise ist die Zeit, da man glaubte, die Beschaffung dieserHilfsmittel sei nichts als einLuxus", dessen Wirksamkeit man unter-schätzte, nun bald ganz vorüber.

Sehr zu billigen sind die in der letzten Zeit hervorgetretenenBestrebungen auch bei unbemittelten Kranken im Privathause dieZuführung der erforderlichen Pflegegeräthe in ausgiebigerem Maassezu ermöglichen. Schon vor mehreren Jahren hatte ich es alszweckmässig bezeichnet, die nothwendigsten technischen Hilfsmittel,welche in der privaten Krankenpflege zur Anwendung gelangen,insbesondere diejenigen Objecte, welche am häufigsten bei eintreten-der Erkrankung in der Familie gebraucht werden, in einem sog.Sanitätskasten" zusammenzustellen und diesen zu einem geringen Preiseabzugeben. Noch ausssichtsvoller und practischer ist es aber zweifellos.Verleibanstalten von Hilfsmitteln der Krankenpflege" zu begründen.wie sie in der Schweiz bereits seit längerer Zeit bestehen und in letzterZeit auch bei uns in Aufnahme gekommen sind. Diese Verleihanstalteneignen sich hauptsächlich für grössere Städte, in denen sie Oentral-stätten bilden, ausgerüstet mit einem hinreichenden Vorrath technischerKrankenpflegemitte], die zu einem geringen Entgelt leihweise an dieFamilien bei entretender Erkrankung abgegeben werden (vgl. Feilchen-feld, Verleihanstaltcn von Krankenpflegemitteln. Zeitschr. f. Krankenpfl.