Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
172
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172 P. Jacobsohn

A. Kühner, Die Ruhe- als Forderung der Krankenpflege, Zeitsohr. f.Kankenpfleg. 1895. pag. 376, G. A. Hawkins-Ambler, Die vornehmeKunst Kranke zu pflegen, in meiner Bearbeitung, 1897 bei H. Kornfeldin Berlin erschienen, pag. 33); an den citirten Stellen wird mit Rechthervorgehoben, dass es z. B. nicht rathsam ist, einen Schwerkrankenin einem Zimmer unterzubringen, welches dicht an der Treppe oder andem Hausflur gelegen ist, da es ohne weiteres einleuchtet, dass derKranke durch das viele Auf- und Niederlaufen auf der Treppe sowiedas häufige Oeffnen und Schliessen der Wohnungs- und Hausthür inempfindlichster Weise gestört werden muss. Ist doch ein Kranker imAllgemeinen viel empfindlicher als ein gesunder Mensch. Besondersheftig und ungünstig wirkt ein plötzlicher unerwarteter Lärm auf ihnein, aber auch länger dauernde gleichförmige Geräusche, die an dasKrankenbett dringen, können ihm unerträgliche Qualen verursachen.Laute Gespräche" in der Nachbarschaft, Zänkereien auf der Treppe,Kindergeschrei, Musikübungen können ihm Kopfschmerzen machen undden ersehnten Schlaf rauben. Man wird daher, wenn dies irgend mög-lich ist, auch nicht ein Zimmer zum Aufenthalte für einen Schwerkrankenwählen, welches neben der Küche oder neben einer Werkstätte gelegenist, da das häufige Tellergekiapper, sowie das Klopfen und Bohren undHerumhantiren in diesen Räumen auf den Kranken schädlich einwirkenkann. Auch das von der Strasse heraufdringende Geräusch kann sichoft sehr störend erweisen. Vieles Hin- und Herfahren von Wagen, be-sonders auf holprigem Pflaster (auf dem Lande und in kleinen Städten),vor allem aber von rasselnden und knarrenden beladenen Lastwagen,Geklingel von Pferdebahnen, Schreien und Ausrufen von Zeitungen undähnlichen Verkaufsartikeln, Peitschenknallen und Hundegebell, dasPfeifen und Getöse benachbarter Fabriken vereinigen sich in der Gross-stadt nicht selten zu einem fast unausgesetzten geräuschvollen Tondurch-einander, dessen Ertragung schon für den Gesunden ziemlich starkeNerven zur Voraussetzung hat; um wie viel mehr muss ein Krankerunter derartigen Uebelständen leiden! Es wird daher oft zu empfehlensein, den Kranken nicht in einem Zimmer zu betten, dessen Fensternach der Strasse zu gerichtet ist, sondern lieber in einem solchen, dasnach einem ruhigen grossen Hofe oder Garten hin liegt. Im Uebrigenkann man für die Ruhe des Kranken im Privathause auch dadurch etwasthun, dass man schrilltönende Glocken in der Wohnung umwickelt,elektrische Klingeln und das Telephon ausser Betrieb gesetzt, knarrendeFenster in Ordnung bringt und die unruhigen Nachbarn freundlich bittet,einige Rücksicht auf den Kranken zu nehmen; auch ein ermahnenderZettel an der Eingangsthür wirkt Gutes. Alle diese kleinen technischenMaassnahmen und Umgestaltungen in der Umgebung des Kranken sindüberall ausführbar, machen keine Kosten und sind doch im Stande demKranken ganz wesentliche Dienste zu leisten. Was Einrichtung undAusstattung des Krankenzimmers selbst anlangt, so lässt sich auch in