Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomforts. 171
worden sind. Aber es wird doch nöthig sein, die Wege ausfindig zumachen und auf ihnen fortzuschreiten, deren Betreten es ermöglicht,dass auch in der Privatkrankenpflege dem Kranken ein höheres Maassan Oomfort dargeboten werden kann. Dem Wohlhabenden steht es iaheute schon jederzeit, wie auch in früheren Zeiten, frei, alle die Hilfs-mittel in vollem Umfange herbeizuschaffen, welche die Wissenschaft imBunde mit der Technik liefert. Aber bei geringeren Geldmitteln undinsbesondere in der Armenpflege stösst die Zuführung derselben aufgrosse Schwierigkeiten. Hier gilt es geeignete Abhilfe zu schaffen.Zunächst steht fest, dass sich in der Krankenbehandlung auch günstigeResultate erzielen lassen, ohne dass das ganze schwere Geschütz desKrankencomforts in Bewegung gesetzt wird. Man rauss sich immergegenwärtig halten, dass im Krankenhause Alles von vornherein auf diePflege der kranken Insassen zugeschnitten ist, während im Privathauseheute meist noch gar keine Vorsorge Platz gegriffen hat für den Fall,dass Jemand krank wird. Da ist es schon ein wesentlicher Fortschritt,wenn es gelingt, wenigstens stets massigen Ansprüchen an den Comfortgerecht zu werden. Die Bereitstellung eines besonderen „Kranken-zimmers" eigens für Krankenzwecke lässt sich selbst in besser situirtenFamilien nicht durchführen, geschweige denn in der weniger bemitteltenBevölkerung, die doch räumlich meist sehr beschränkt wohnt. DerArme thut zweifellos besser daran, im Krankheitsfalle eine öffentlicheKrankenanstalt, die ihm alle Hilfsmittel der Krankenpflege in reichemMaasse bietet, aufzusuchen, als sich den Beschränkungen und Belästi-gungen zu unterziehen, die sich in seiner Behausung nicht vermeidenlassen. In den Mittelkreisen kann aber mit Recht verlangt werden,dass den Kranken wenigstens das absolut nothwendige Maass an Comfortdargeboten werde. Und in der That lässt sich auch bei beschränkterenMitteln in dieser Hinsicht Vieles erreichen, wenn nur in der richtigenWeise Hand angelegt, wird. Ist schon die Bereitstellung eines perma-nenten Krankenraumes unmöglich, so sollte wenigstens dafür nach Kräftengesorgt werden, den vorübergehend als Krankenzimmer in Anspruch ge-nommenen Raum so auszuwählen und zu gestalten, dass er einiger-maassen den Anforderungen der wissenschaftlichen Krankenpflege ent-spricht. In dieser Hinsicht ist zu wünschen, worauf schon M. Mendel-sohn (Oomf. d. Kranken pag. 7) hingewiesen hat, dass gerade dasbeste Zimmer der Wohnung als Krankenzimmer genommen wird, dassdem Kranken so ein heller Aufenthaltsort mit möglichst grossem Luft-raum dargeboten wird. Auch auf die Umgebung des Krankenzimmerswird zu achten sein, damit dem Kranken nicht die ihm so nöthige undwohlthuende Ruhe fehle, für die im Krankenhause ja durch dessen An-lage und Organisation gesorgt ist, die aber im Privathause sehr häufigdurch laute Nachbarschaft beeinträchtigt wird. Auf diesen Punkt, dervon grosser Wichtigkeit ist, ist in der letzten Zeit wiederholt auf-merksam gemacht worden (vgl. M. Mendelsohn, 1. c. pag. 14; ferner