Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
107
Einzelbild herunterladen
 

Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomforts. 107

können, ist es nöthig, dass die erwähnte Ucberdachung dieser Gefässesich nur über einen nicht zu grossen Theil ihrer oberen Oeffnung avis-breitet; auch bedarf insbesondere der oft ziemlich lange, hohle Schnabel-ansatz der Krankenschnabeltassen einer besonders gründlichen Reinigungmit einer kleinen biegsamen Drahtstielbürste (Fig. 76). Bei Kranken,welche nicht im Stande sind, die Kiefer in genügend ausgiebiger Weise voneinander zu entfernen, finden für die Nahrungsaufnahme auch gebogene,kleine Glasröhrchen Verwendung, welche Aehnlichkeit mit der Form einesgläsernen Mutterrohrs haben, deren inneres Lumen jedoch einen gerin-geren Durchmesser hat; dieselben tauchen mit ihrem einen Ende in denin einer Tasse oder einem Glase befindlichen, dem Kranken beizubringendenInhalt, während ihr mehr horizontaler Schenkel von den Lippen des Krankenumschlossen wird. Sind die beiden Zahnreihen des Kranken auch nicht einwenig von einander zu entfernen, so kann es ausserordentlich schwierig sein,dem Kranken selbst flüssige Nahrung in ausreichendem Maasse einzuver-leiben; man hilft sich in diesen Fällen, wo es angängig ist. in der Weise,dass man das gläserne Saugröhrchen durch eine Zahnlücke einführt. Bis-weilen wird statt des beschriebenen Saugröhrchens auch ein kleiner Gummi-schlauch mit kurzem Elfenbeinmundstück verwendet, welcher mit seinem

Fig. 73. Fig. 74. Fig. 75. Fig. 76.

SchnabellöU'el für die Ernährung Schwerkranker.

einen Ende in eine auf dem seitlich vom Bette stehenden Nachttisch be-findliche Tasse eintaucht; ein solcher Saugschlauch gewährt den Vortheil,dass die mit Flüssigkeit gefüllte Tasse nicht durch das Pflegepersonaloder den Kranken dauernd festgehalten zu werden braucht, auch kannder Kranke auf diese Weise selbst bei horizontaler Position trinken. Essind jedoch diese Saugsehlauche viel schwerer reinzuhalten als ein glä-sernes Saugröhrchen, und ausserdem verleihen sie, insbesondere wennwarme Flüssigkeit zugeführt wird, der Nahrung oft einen unerfreulichenGummibeigeschmack.

.'•) Arzneidarreichung.

Für die Art und Weise, wie den Kranken die verschiedenartigenArzneimittel dargereicht werden sollen, machen sich ganz ähnliche Ge-sichtspunkte geltend, wie bei der Nahrungsdarreichung. Auch hierkommt es darauf an, die Arzneien sowohl in möglichst reinlichem, un-verborbenem Zustande als auch in möglichst schonender und bequemerWeise dem Kranken zuzuführen. Zunächst spielen die zur Aufnahmeder Arzneien und Medicamente bestimmten Gefässe und Behältnisse einenicht zu unterschätzende Rolle. Dieselben müssen nicht nur peinlich