Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
99
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Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomforts. 99

eingehende Darstellung erfahren hat, so erscheint es uns angemessen,hier auf die dortigen Ausführungen hinzuweisen. Um den Rahmen desvorliegenden Werkes nicht zu überschreiten, müssen wir uns in der fol-genden Darstellung darauf beschränken, ein Bild von dem Standpunktdes Krankencomforts für die Ernährung im engeren Sinne zu geben undbesonderen Werth auf die Schilderung der gegenständlichen Vorrichtungenund Zurüstungen, welche hier in Frage kommen, zu legen.

Ein sehr wichtiges Moment ist zunächst die Gestaltung der Um-gebung bei der Nahrungsaufnahme. Wir haben bereits weiter oben er-wähnt, dass man neuerdings in den Hospitälern besondere Aufmerksam-keit darauf richtet, dass die Mahlzeiten von den Kranken, wenn esirgend der Status morbi gestattet, nicht in den eigentlichen Kranken-räumen, sondern in besonderen Speisesälen eingenommen werden, umauf diese Weise diejenigen Einflüsse aus der Umgebung, welche ver-mindernd auf die Esslust der Kranken einwirken können, möglichstauszuschalten (vgl. pag. 63). Es ist in letzter Zeit von verschiedenenSeiten, insbesondere von E. v. Leyden und M. Mendelsohn, wieder-holt hervorgehoben worden, dass eine freundliche, behagliche Gestaltungder Umgebung, sowie ferner eine möglichst reinliche, angenehme, vonliebevoller Fürsorge für den Kranken zeugende Art der Speisendarreichungim Stande ist, auf die Nahrungsaufnahme in hohem Grade fördernd ein-zuwirken. Es begreift sich ja auch unschwer, dass der Appetit einesKranken ein ungleich grösserer sein muss, wenn er in der Lage ist,seine Mahlzeiten an sauber und sorgfältig gedeckten Tischen in beson-deren freundlich und anmuthend ausgestatteten Räumen gemeinsam mitanderen Kranken, die nicht an das Bett gefesselt sind, mit welchen ersich bei Tische angenehm unterhalten kann, einzunehmen, als wenn ergezwungen ist, neben dem Bette eines Schwerkranken, der vielleichtgerade mit einer Stuhlentleerung beschäftigt ist oder einen stark nachJodoform riechenden Verband trägt, seinen Speiseteller auf seinem Schosszu placiren, wie dies noch immer in manchen Hospitälern die Regel ist.In England und Amerika, neuerdings jedoch auch schon vielfach inDeutschland, insbesondere in den neuen grösseren Specialkrankenhäusernwird auf eine möglichst eingehende Sorgfalt beim Anrichten und Ser-viren der Krankenspeisen mit Recht ein sehr grosser Werth gelegt.Tischzeug und Essgeräthe sind stets in sauberstem Zustande und werdenin geschmackvoller Weise angeordnet; die Tafeln werden mit Blumengeschmückt; selbst das Muster der aufgestellten Teller, Tassen undKrüge soll dazu beitragen, die Esslust anzuregen. Auch die Speisenselbst werden nicht nur in bekömmlicher, schmackhafter Weise nach dendurch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung geläuterten Regelnder heutigen Kochkunst hergestellt, sondern auch durch die richtige Ver-wendung kleiner ausschmückender Zuthaten und durch eine den Appetitanregende, hübsche Gestaltung ihrer äusseren Form mundgerechter ge-macht. Bei weitem schwieriger gestaltet sich hingegen die Durchführungeiner geeigneten Speisendarreichung bei denjenigen Kranken, welche an-