Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomforts. 97
boric. pulv. oder etwas Kali chloricum zu betupfen. Am Tage und desNachts müssen bei diesen Kranken (etwa alle 2—3 Stunden) Zahnfleischund Schleimhautfalten mit einem feuchten Läppchen energisch ausge-wischt, auch dabei besonders ein Druck auf den Zungengrund ausgeübtwerden, damit VVürgebewegungen an Stelle der normalen Kaubewe-gungen ausgelöst werden, die gleichfalls die Speichel- und Schleim-drüsen zu verstärkter Thätigkeit anregen. Wird bei offenem Munde ge-athmet, so muss die umgebende Luft recht feucht gehalten, er. ein feuchterMusselinlappen auf den Mund gelegt werden. Bei fiebernden Krankenmuss für reichliche, mindestens stündliche Wasser- und Getränkzufuhr(schwachsaure Limonaden) gesorgt werden, um die Austrocknung derSchleimhaut hintanzuhalten. Man darf nicht etwa warten, bis derKranke Flüssigkeit verlangt, sondern muss sie ihm unermüdlich an-bieten. Bei fiebernden Kranken muss die Lippenschleimhaut von vorn-herein mehrmals täglich mit Vaseline oder Fett eingerieben werden. Beidauernd fiebernden Kranken ist auch die Einpinselung von Oel oderstark verdünntem Glycerin im Bereiche der gesammten Mund- oderSchlundhöhle von Vortheil. Aufrecht hält Einpinselungen mit reinem,unverdünntem Glycerin bei schweren,fieberhaften Krankheiten für noch Fig. 58.
wirksamer (vgl. Pathologische Mitthei-lungen. 1886. Heft 3. pag. 33).P. G. Unna empfiehlt für die Mund-pflege bei Kranken insbesondere dieVerwendung seiner 100- oder öOproc. Zahnfugenreiniger nach Falkenstein.
Kali chloricum-Zahnpasten, mit einer
Fastengrundlage aus kohlensaurem Kalk, Rhizoma Iridis, Seife undGlycerin. Szanna bringt statt der Gurgclwässer welche nachseinen Untersuchungen selbst bei richtig ausgeführtem Gurgelnhäufig nicht über den vorderen Gaumenbogen hinausgehen unddie hintere Rachenwand völlig unbenetzt lassen, die Verwendungallmählich löslicher Pastillen (Saccharin und Resina Guajaci, je0,1, tgl. 10—20 Stück) in Vorschlag (Zeitschr. f. Krankenpflege. 1894.pag. 347).
Besondere Aufmerksamkeit beansprucht bei Kranken auch das Rein-halten der Zähne, .zwischen welchen sich häufig Theile der aufgenommenenNahrung festsetzen und dann zu Zersetzungen Anlass geben. MangelhafteZahnpflege bei Kranken kann weiterhin accidentelfe, schmerzhafte, entzünd-liche Affectionen hervorrufen (Parulis, Periostitis), welche die Genesung-erheblich beeinträchtigen. Zur Zahnreinigung verwende man ausschliess-lich Zahnbürsten, welche aus haltbaren, nicht zu starren Borsten zu-sammengesetzt sind; die einzelnen Borstenbündel müssen in exacterWeise, am besten mit Draht, nicht aber nur mit Leim befestigt sein(vgl. Zeitschr. f. Krankenpfl. 1895. pag. 181), da besonders von Schwer-kranken losgelöste Borsten leicht verschluckt werden und im Darmschädlich wirken können (Perityphlitis!). Neuerdings hat man Gummi-
Handbucü der Krankenversorgung u. Krankenpflege. II. Bd. 7