Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
88
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88 P. Jacobsohn,

insassen in erster Linie auf eine möglichst schnelle und gründlicheWiederherstellung'' und eine dieses Ziel fördernde, zweckmässige undrationelle Art der Bekleidung ankommt, nicht aber auf die Befriedigungverwöhnter ästhetischer und kosmetischer Ansprüche, so kann es in denöffentlichen Krankenanstalten nicht schwer fallen, einen hinreichendenVorrath der erwähnten, zur Anstaltskleidung gehörigen Kleidungsstückein cinigermaassen passender Form bereit zu halten, Es erscheint dies um soleichter durchführbar, wenn wir berücksichtigen, dass wir die Bequem-lichkeit der Kleidung als einen der fundamentalsten Grundsätze für dieKrankenkleidung überhaupt am Eingange dieser Erörterung bereits fest-gestellt haben. Die Kleidungsstücke der Kranken müssen durchwegweit und bequem sein. Alle beengenden und umschnürenden Kleidungs-stücke sind durchaus zu vermeiden, da sie die lebenswichtigsten Func-tionen des Organismus, vor Allem die Respiration und Blutcirculationin gerade bei Kranken besonders unerwünschter Weise behindern. Eswürde durchaus freudig zu begrüssen sein, wenn die in Amerika schonseit längerer Zeit. allgemein durchgeführten Reformbestrebungen in Bezugauf die Kleidung, welche seit einigen Jahren auch in Deutschland vonSeiten vieler Aerzte und insbesondere von dem „Allgemeinen Verein z.Verbesserung d. Frauenkleidung" energisch propagirt werden, auch inHinsicht auf die Krankenkleidung sich bald zu allgemeiner Geltungbringen und eine nachhaltige Wirkung ausüben würden (vgl. Spener,„Die Vorschläge zur Verbesserung der Frauenkleidung und ihre Bedeu-tung für die Krankenpflege". Zeitschr. für Krankenpfl. 1897. pag. 97,wo auch weitere Literatur angegeben ist; vgl. ferner M. Gold Schmidt,„Die Kleidung des Kranken und ihre Bedeutung in der Krankenpflege".Ibidem pag. 185 ff., der die einschlägigen grundlegenden experimen-tellen Arbeiten von Rubner eingehend verwerthet hat). Dement-sprechend findet weder das Oorset, noch der den Hals umschnürendegestärkte Kragen, noch das Gummistrumpfband eine Verwendung. DasCorset lässt sich hier in zweckmässiger Weise durch ein untertaillen-artiges Mieder ersetzen, welches der einschnürenden und die Athmungbehindernden Wirkung des Frauencorsets ermangelt, und welches, da esmit Schultergurten versehen ist, die auf dem Körper ruhende Last derKleidungsstücke besser vertheilt. Spener empfiehlt auch für die Kran-kenkleidung eifrig die Verwendung der nach amerikanischem Musterzugeschnittenen Hemdhose, bei welcher das Hemde, beziehungsweise dieUntertaille mit dem Unterbeinkleid zu einem Kleidungsstücke vereinigtist, aber für noch rathsamer halt er es, wenn das Unterbeinkleid, wel-ches ebenso, wie die Untertaille aus weichem, porös-elastischem Stoffhergestellt sein soll, an die letztere lose angeknöpft wird. Von derVerwendung der jetzt gebräuchlichen, mehr oder weniger zahlreichenwarmen Unterröcke glaubt er für die Bekleidung kranker Frauen ganzabsehen zu müssen; dieselben werden nach ihm hinlänglich ersetzt durchein aus warmem Stoff angefertigtes, bequemes Unterbeinkleid, welchesnach unten zu pumphosenartig gegen die Luft abgeschlossen ist. Bei