Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
86
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86 P. Jaoobsohn,

die Aermel sind in ihrer ganzen Ausdehnung an der Vorderfläche ge-schlitzt, die Schlitzränder sowohl des Hemdenrumpfes, als der Hemden-ärmel mit einer Anzahl von kurzen Bindebändern versehen, so dass dasAnziehen des flach auf dem Bett ausgebreiteten Kleidungsstückes in be-quemster Weise erfolgen kann (vgl. Zeitschr. f. Krankenpfl. 1894.pag. 345). Ueberhaupt ist es zweckmässig, an der Krankcnkleiclungalle Knöpfe zu vermeiden, da dieselben den Kranken leicht drücken,und statt dessen ßandschleifen zu verwenden. Noch weiter ginghierin, wie schon in der historischen Betrachtung erwähnt wurde,S. F. Wolff, welcher auch für die Bekleidung des Pflegepersonals ausRücksicht für den Kranken Bandschleifcn statt der Knöpfe forderte.Das Anbringen der Schlitzen und Bänder erfolgt zweckmässiger deshalban der Vorderseite des Krankenhemdes, weil der Kranke ja auf derhinteren Hemdenfläche dauernd aufliegt und hier auch die Knoten derBandschleifen einen unwillkommenen Druck ausüben können. Jedenfallsmuss ein Krankenhemd weit und becpiem sein, damit es den Krankenin keiner Weise belästigt; jedoch ist ebenso, wie bei den Bettlakensorgfältig darauf zu achten, dass an der hinteren Fläche keine Falten-bildung eintritt; desgleichen sind Nähte an der Rückenlläche desHemdenrumpfes durchaus zu vermeiden. Ferner müssen die Hemdengenügend lang sein; es ist wünschenswert!], dass sie sowohl für Männerals für Frauen bis zur Hälfte des Unterschenkels herabreichen. In denamerikanischen Hospitälern ist diese Forderung allgemein erfüllt, währendman in Deutschland noch in vielen Anstalten viel zu kurze Kranken-hemden benutzt, welche nur bis zur Mitte des Oberschenkels reichen.Die langen Krankenhemden haben den Vortheil, dass der sie tragendeKranke sich beim Aufstehen viel weniger leicht erkälten kann. Dassdie Kranken in den Hospitälern ihre eigenen, oft sehr unzweckmässigenHemden beibehalten, anstatt der Anstaltshemden, sollte gänzlich ver-boten werden; gewähren doch die vortrefflichen Desinfectionseinrichtungender neueren Krankenhäuser einen durchaus hinreichenden Schutz gegenjede Krankheitsübertragung durch die Hospitalwäsche. Die Farbe derKrankenhemden sei durchweg, ebenso wie die der Bettbezüge, eine reinweisse; gemusterte und farbige Stoffe irritiren den Kranken und könneninsbesondere bei fiebernden Kranken bestimmte Delirien (Mäuse, Wanzen,Ameisen etc..) hervorrufen. Für stark, schwitzende Kranke (Phthisiker),welche sich besonders leicht erkälten, hat Thomalla Krankenhemdenaus einem besonderen zweischichtigen Gewebe empfohlen, bei weicherndie äussere engmaschige Schicht aus gut entölter Wolle und Baumwollebesteht, glatt und stark aufsaugend, die .innere grobmaschige Schichtaus einem Gewebe von roher entölter Baumwolle bestellt, rauh undwenig aufsaugend ist, so dass infolge dieser Anordnung die Hautdes Kranken stets trocken bleibt (vgl. Zeitschr. f. Krankenpfl. 1894.pag. 467). Ausser dem Hemde und bei Frauen der Nachtjacke kommtfür die bettlägerigen Kranken als einziges'zulässiges Kleidungsstück nurnoch ein Halstuch in Betracht, welches, entsprechend der sonst geübten