Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomforts. 63

zeitig als Speisesäle für die Kranken benutzt werden, in der Mitte derRäume lange Tafeln aufgestellt, mit einer entsprechenden Anzahl vonHolzstühlen besetzt, an welchen die Kranken in den Zeiten zwischenden einzelnen Mahlzeiten sich durch Lesen, Schreiben, Handarbeiten unddergleichen unterhalten. In vielen neueren Hospitälern sind eine ganzeAnzahl von Tageräumen für verschiedene, besondere Zwecke vorhanden.Da giebt es besondere Speisesäle, besondere Erholungsräume (Orängericen),besondere Lese- und Schreibsäle (Bibliotheksäle), Spielsäle, Säle zumMalen, Zeichnen, Modelliren, Säle zum Ausführen leichter Handarbeitenund Handfertigkeiten (Krankenwerkstätten). Insbesondere in Amerika undin England sind diese Räumlichkeiten in zweckmässigster und reichsterWeise ausgestattet. (Vergl. S. Placzek, Die medicinische Wissen-schaft in den Vereinigten Staaten. Leipzig 1894. G. Thieme 1 ). Referat:Zeitschr. f. Krankenpfl. 1894. pag. 317.) Neuerdings ist man in eini-gen Specialkrankenanstalten (Lungen- und Irrenheilanstalten) sogar soweitgegangen, zur Erheiterung und Unterhaltung der Kranken eigene Sälefür Bühnenaufführungen und musikalische Vorführungen einzurichten.

Ferner gehören zu den Nebenräumen der Krankensäle in den mo-dernen -Hospitälern die Abort- und Baderäume. Auch diese einer zeit-weisen Benutzung durch die Kranken dienenden Räumlichkeiten bedürfeneiner zeitgemässen, der Bequemlichkeit der Kranken Rechnung tragendenEinrichtung. Was zunächst die Aborträume anlangt, so dürfen dieselbeneinerseits nicht unmittelbar an die eigentlichen Krankensäle anstossen, umeine Communication der Luft zwischen beiden zu verhüten; andererseitsdürfen sie aber nicht von den Krahkensälen zu weit entfernt liegen, da siesonst für die Kranken zu schwer erreichbar sind. Vor allen Dingen müssendiese Nebenräume in genügender Anzahl vorhanden sein, entsprechendder Zahl der auf den einzelnen Abtheilungen des Hospitals untergebrach-i ten Kranken. Jedenfalls ist es unumgänglich, dass in den grösseren,allgemeinen Krankenhäusern jedes Stockwerk, beziehungsweise jedeSonderabtheilung eine eigene Ciosetanlage erhalte. Was die Defäcations-Apparate selbst betrifft, so verwendet man in den neueren Hospitälerndurchgehends englische Waterclosets, mit breiter, ellipsoider, sich nachunten trichterförmig verengender Porzellanschüssel, welche an die Wasser-leitung angeschlossen sind. Besonders empfehlenswerth sind für Kranken-häuser diejenigen Constructionen, bei welchen die Wasserspülung beimVerlassen des Apparates automatisch in Thätigkeit tritt, da bei ihrerVerwendung das die Kranken anstrengende Emporziehen und Empor-halten des den Wasserzufluss regulirenden Metallhebels in Fortfallkommt. Jeder Abortraum muss mit Waschvorrichtungen versehen sein.

1 ) Der Güte der Herren Placzek und Thieme verdanke ich einige der vor-stehenden Abbildungen von Krankenhausinterieurs, während mir einige andere durchdie Freundlichkeit des Herrn Dr. v. Weismayr, ding. Arzt der neuen HeilstätteAllane! bei Wien, zur Verfüiruno- gestellt wurden. D. Verf.