Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomforts. 61
die sich an die eigentlichen Krankensäle anschliessenden Nebenräumemit einer zeitgemässen, den Bedürfnissen der Bequemlichkeit und Behag-lichkeit Rechnung tragenden inneren Einrichtung zu versehen. In denälteren Krankenhäusern sahen sich die Kranken, welche stundenweiseoder den ganzen Tag über ausser Bett sein durften, also die Leicht-kranken und Reconvalescenten, gezwungen, falls Witterung, Jahreszeitoder der Status morbi den Aufenthalt im Freien nicht gestattete,während der ganzen Dauer ihrer Anwesenheit im Krankenhause in denBettsälen selbst in steter Gemeinschaft mit den ununterbrochen das Betthütenden Schwerkranken zu verweilen. Die sich aus diesem Umständeergebenden Misshelligkeiten sind sehr ins Auge fallende. Das fortwäh-rende Zusammensein mit schwerkranken Personen, der fortdauernde An-blick ihrer Leiden, das ununterbrochene Anhören ihrer Schmerzens-äusserungen übt auf das psychische Wohlbefinden und die Gemüths-stimmung der Leichtkranken und Reconvalescenten einen entschiedenungünstigen Einfluss aus. Sodann ist zu bedenken, dass die Luft inden Krankensälen trotz sorgfältigster Handhabung der Ventilations-vorrichlungen immerhin schon durch den gleichzeitigen Aufenthalt einergrösseren Anzahl ausathmender und ausdünstender Menschen in dem-selben Räume beeinträchtigt wird. Die sich ergebende Notwendigkeit,die Mahlzeiten in demselben Räume einzunehmen, in welchem die an'sBett gefesselten Schwerkranken ihre krankhaften Absonderungen undAusscheidungen entleeren, und in gleicher Weise die durch Aufstellungder Krankenbetten bedingte Raumbehinderung in den Krankensälen,der Mangel geeigneter Tische zur Servirung des Essens wirken ver-mindernd auf die Esslust der Kranken ein. Andererseits ist derAufenthalt der aufstehenden Kranken belästigend und ruhestörend fürdie Schwerkranken, da die ausser Bett befindlichen Personen sich na-türlich am Tage nicht andauernd ruhig verhalten, sondern mit einanderGespräche führen, im Zimmer auf und nieder gehen etc. Die Wahr-nehmung dieser Uehelstände hat in letzter Zeit dazu geführt, in denHospitälern besondere Aufenthalts- und Gesellschaftsräume für dieLeichtkranken und Reconvalescenten, in welchen sie bei Tage längereoder kürzere Zeit, je nach dem Ermessen des Arztes verweilen, zurVerfügung zu stellen. Diese sog. Tagesräume bilden heutzutage einennothwcndigen Bestandteil der Hospitäler.
Es sind gewöhnlich grössere Säle, welche in' den meisten Kran-kenhäusern die leichteren Kranken aus verschiedenen Krankenabtheilungenzusammen beherbergen. In einer Anzahl von Hospitälern hat eine jedeStation ihren eigenen Tageraum, welcher dann entsprechend kleiner istund in unmittelbarster Nähe der betr. Krankensäle liegt. In den neuerenSpecial-Krankenhäusern, welche ausschliesslich der Aufnahme gleichartigoder ähnlich Erkrankter dienen, ist gewöhnlich ein grösserer Tageraumvorhanden, der je nach der materiellen Dotirung der Anstalt möglichstcomfortabel für gesellschaftliche Zwecke hergerichtet ist. Da die In-fectionsgefahr zwischen den einzelnen Kranken, welche sich im Tage-