Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
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33
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Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomforts. 33

als eine kleinere Zahl sehr grosser Krankensäle mit vielen Betten. Dasidealste wäre es ja, wenn man in der That auch in den Krankenhäuserneinem jeden einzelnen Kranken ein eigenes Zimmer mit nur einem Bettüberweisen, and auf diese Weise die unleugbaren Nachtheile, welchesich für den einzelnen Insassen durch das Zusammenliegen mehrererKranker, besonders Schwerkranker, in einem Räume ergeben, gänzlichin Fortfall bringen könnte. Allein der Verwirklichung einer solchenForderung, welche keineswegs neu, sondern, wie aus unserer geschicht-lichen Betrachtung hervorgeht, bereits vor langer Zeit von hervorragendenKennern des Hospitalwesens erhoben wurde, stehen bis auf Weiteresaus materiellen Gründen unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen; auchmuss ein solches Verlangen noch aus anderen Erwägungen, von welchennoch weiterhin die Rede sein wird, als ein übertriebenes bezeichnetwerden. Zunächst ist geltend zu machen, dass die grossen öffent-lichen Krankenhäuser an ihrer vernehmlichsten Bestimmung eine Zu-lluchtstätte für solche Kranke darzustellen, welche geeigneter Räum-lichkeiten daheim ermangeln, also für mehr oder weniger unbemittelteKranke, festhalten müssen. Es ist nicht zu verlangen, dass die öffent-lichen Hospitäler ihren Insassen in jeder Beziehung dieselben Vortheileund die weitgehende Annehmlichkeit darbieten sollen, welche sich dermit irdischen Gütern reichlich gesegnete Privatmann im Erkrankungsfalleverschaffen kann. Es ist doch zu berücksichtigen, dass sich das Grosder Insassen der öffentlichen Krankenanstalten aus Personen recrutirt:,welche an eine einfachere Lebenshaltung gewöhnt sind. Andrerseitsist es jedoch vom Standpunkte einer wissenschaftlich geordneten Kran-kenpflege durchaus nothwenclig die Unzuträglichkeiten, die in den Kran-kenhäusern für den einzelnen Kranken durch die Gemeinsamkeit desdauernden Aufenthaltsraumes mit einer grösseren Zahl anderer Krankererwachsen, sich zu vergegenwärtigen und sie, soweit irgend angängig,durch eine zweckentsprechende Einrichtung und Ausstattung der Kran-kenräume zu mildern. Diese Nachtheile, welche sich besonders beigrösserer Bettenzahl eines Krankensaales geltend machen, sind erheb-liche und mannigfaltige.

Zunächst ist ohne Weiteres zuzugeben, dass die Reinheit und ge-sundheitliche Qualität der Luft in den Krankenräumen neben anderenFactorcn auch in hohem Grade von der grösseren oder geringeren Zahlder in dem betreffenden Räume dauernd untergebrachten Kranken ab-hängig ist. Selbst bei sorgfältiger Anlage und Handhabung der Lüf-tungsvorrichtungen wird die den Insassen sich darbietende Athmungs-luft immer ein geringeres Maass von Verunreinigungen und Beimischun-gen enthalten; wenn der Raum mit weniger Betten belegt und'die Gelegenheit zur Aufnahme von Bestandteilen der Ausdünstungen,Ausathmungen und Entleerungen der Kranken seltener ist. Fernerwerden beim Zusammenliegen mit einer grösseren Anzahl von Krankenden einzelnen Individuen leicht Einwirkungen vermittelt, welche daspsychische Wohlbefinden der Kranken ungünstig beeinflussen. Es ist

Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. II. Bd. ß