Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomforts. 2!)
Verfolg! man den Inhalt der in der Zeit von 1840—1870 erschie-nenen Lehrbücher und Leitfäden der Krankenwartung, um aus ihm dieinzwischen gemachten Fortschritte des Kranken com forts ersehen zukönnen, so ergiebt sich die auffallende Thatsache, dass, so schnell undumfangreich die Vervollkommnung dieses Zweiges der Krankenpflege inden ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts vor sich gegangen war, nun-mehr sich die Fortentwicklung wiederum deutlich verlangsamt. Siebleibt keineswegs auf dem Dieffenbach'schen Niveau stehen, sondernman bemerkt deutlich hier und da Verbesserungen in den technischenHilfsmitteln; aber im grossen Ganzen ist das Interesse der Aerzte wieder Behörden mehr den neuen Errungenschaften und Forschungen auf che-misch-physikalischem und mikroskopischem Gebiete zugewendet als derVerbesserung der Hospitaleinrichtungen und der Fürsorge für die Be-haglichkeit und Bequemlichkeit der Kranken. Allerdings sei dem gegen-über betont, dass auf dem Gebiete der personellen Krankenwartung indem bezeichneten Zeitraum ein ausserordentlicher Aufschwung und einebedeutsame Vervollkommnung erzielt wurde, insbesondere durch dieBegründung von Diakonen- und Diakonissenanstalten in den protestan-tischen Ländern, und durch die Verwendung grösserer Sorgfalt auf dieHeranbildung geeigneter weltlicher Kräfte für die Krankenpflege in dengrösseren städtischen Krankenanstalten. Von deutschen Aerzten, welchewährend jener Zeit durch geeignete Schriften und Lehrbücher auf dieEntwicklung und Ausbreitung des Krankencomforts einen erkennbarenEinfluss geübt haben, seien hier genannt üieffenbach's Schüler Ge-dicke, ferner Ravoth, Kunersdorf, Stahmann und Grätzer.
In höherem Maasse als in Deutschland entwickelte sich in denvierziger und fünfziger Jahren der Krankencomfort in England, wo dieBestrebungen die verschiedenen Zweige der Krankenpflege zu möglichsterVollkommenheit zu bringen, überhaupt stets einen besonders günstigenBoden gefunden haben. Wesentlich gefördert wurde die Weiterentwicke-lung des Krankencomforts daselbst durch die erfolgreiche und energischeWirksamkeit einiger durch ihre aufopfernde Fürsorge für die Krankenberühmt gewordener Krankenpflegerinnen, , von welchen hier in ersterLinie Mss. Frey, A. Jones, Fl. Nightingale zu nennen sind.
Eine ausserordentliche Umwälzung im Hospitalwesen und damit auchin der Gestaltung des Krankencomforts vollzog sich sodann infolge derAusbreitung der antiseptischen Methode in allen Culturstaaten. Der Ein-fluss, welchen das Eindringen des neuen Verfahrens auf die Handhabungder Krankenpflegetechnik und des Krankencomforts äusserte, machtesich insbesondere nach zwei Richtungen hin geltend: erstens in derpeinlichen Fernhaltung und Vermeidung aller nicht absolut nothwendigenGegenstände in den Krankenräumen, in der Absicht die Krankenunter-künfte möglichst staubfrei und leicht desinficirbar zu gestalten, zweitensin der Verwendung nur solcher Materialien zur Herstellung der unent-behrlichen Geräthschaften des Krankencomforts, welche einer ausgiebi-gen antiseptischen Behandlung zugänglich und gewachsen sind.