Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
22
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22 P. .Jacobsohn,

bleiernes oder ein elastisches Röhrchen (Auftreten des Gummi inder Krankenpflege um 1830), das mit Oel oder Butter schlüpfrig-gemacht wird. Ganzbäder werden in grossen Wannen gegeben, sodass dem Kranken das Wasser bis zum Hals reicht, Halb- und Stuhl-bäder in eigens verfertigten Lehnstühlen oder in einer Wanne aufeinem Schemel, Hand- und Armbäder in einem tiefen Becken, Fuss-bäder in einem Zuber. Zu Augenbädern beugt man das Auge- in einbis zum Ueberlaufen gefülltes Wasserglas, das in einem Waschbeckensteht. AVarme und kalte Begiessungen werden mit einem Spritzkruge,einer Clystierspritze von einer gewissen Höhe her ausgeführt. Zu Dampf-bädern, ebenso zu Sturz-, Dusch- und Tropfbädem dienen besondereMaschinen und Apparate. Eisanwendung geschieht mittelst einer mitSchnee oder Eis gefüllten zugebundenen Thierblasc.

Zieht man aus den vorstehenden Angaben das Facit, so ergiebt sichauf das deutlichste, dass in den Jahren 18001830 in Bezug auf dieweitergehende Entwickelung des Krankencomforts recht erhebliche Fort-schritte zu verzeichnen sind. Es unterliegt keinem Zweifel, dass dervon wissenschaftlich geschulten Aerzten zu Beginn des Jahrhunderts aus-geübte Einfluss auf die Krankenpflegetechnik sehr wesentlich dazu bei-getragen hat, das Niveau des Krankencomforts beträchtlich zu heben.Daneben natürlich kommen die allgemeinen culturellen Fortschritte, ins-besondere die Verbesserungen auf technischem Gebiete als wirksam inBetracht. Neue Entdeckungen auf naturwissenschaftlichem, chemisch-physikalischem Gebiet, das Auffinden neuer und zweckmässigerer Ver-fahren in der Bearbeitung der Rohstoffe, die Einführung neuer, bisherunbekannter und daher technisch zuvor nicht verwerteter Arbeitsmate-rialien aus fremden Ländern haben auch an der allmäligcn Weiterent-wickclung des Krankencomforts zu allen Zeiten einen bedeutsamenAntheil geäussert und äussern ihn noch heute. Einen ferneren, ungemeinwichtigen Einfluss auf die Vervollkommnung der Krankenpflegetechnikund des Krankencomforts übten sodann plötzlich über das Land herein-brechende grosse Nothstände, wie Krieg und Seuchen, welche besonderenAnlass zu eingehender Fürsorge für die Verwundeten und Kranken undzugleich auch zum Ersinnen neuer Hilfsmittel für die Erfordernisse des.Krankencomforts boten. So ist es keine Frage, dass während derersten Jahrzehnte des neunzehnten Jahrhunderts sowohl die Freiheits-kriege als auch in der Folge das Hereinbrechen der Cholera einen Auf-schwung der Krankenpflegetechnik in Deutschland bedingten. In einerganzen Anzahl von deutschen Städten, insbesondere auch in Nord-deutschland wurden im Anschluss an die grösseren allgemeinen Kranken-häuser Krankenpflegeschulen begründet, an welchen tüchtige Aerztetheoretischen und practischen Unterricht in der Krankenpflege ertheilten.Auch in den protestantischen Theilen Deutschlands zeigte man sich aufseifrigste bestrebt, ein besseres Personal für die Krankenwartuna;

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gewinnen. Gefördert durch das erhöhte Interesse hervorragenderAerzte und der Behörden, nahm dementsprechend auch der Kranken-