Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomforts. "21
kaltem Wasser unter dem Bett". Die Krankenkleidung soll so be-quem als möglich sein: „Die Schlafhauben nicht zu eng, die Halstücherleicht umgebunden, das Nachtleibchcn und Hemd weit und bequem; dieStrümpfe, falls sie ein Kranker trägt, dürfen nirgends drücken und nicht,oder wenigstens nicht fest gebunden sein. Die Kleidung sei stets trocken,und werde wie die Bettwäsche häufig und regelmässig gewechselt; dasWechseln soll schnell, leicht und mit Schonung für den Kranken ge-schehen". Für Reinlichkeit des Kranken ist durch öfteres Kämmenund Putzen, Waschungen mit warmem Wasser und Milch, behutsameReinigung von Zunge, Nase, Augen etc. zu sorgen. Das Essen solldem Kranken pünktlich, in geeigneter Abwechslung mit der Arznei,weder zu warm noch zu kalt, genügend geschnitten und zubereitet, inreinlichen Geschirren gereicht werden. Der Kranke ist vor Gcmüths-erregung zu bewahren, Ruhe und Schlaf in jeder Weise zu sichern. VonGeräthschaften des Krankencomforts erwähnt Martin zur Erleichterungder Urinentleerung im Liegen für beide Geschlechter besonders gestalteteUringläser, für die Stuhlentleerung Leibschüsscln und den Zimmernacht-stuhl, den wir schon bei Pfähler (1793) fanden, zur Aufnahme desAuswurfs Spucknäpfe. Eingehende Vorschriften giebt er über das Um-wenden, Heben und Legen der Kranken, das so leise, sanft und all-mälig als möglich geschehen soll. Hat der Kranke keine mechanischeBettstelle, so kann der Pfleger ihm unter Brust, Rücken, Lendenund Schenkel lange, breite Handtücher schieben (Vorläufer der jetztgebräuchlichen Heberahmen) und ihn dann mit Beihilfe einer anderenPerson drehen und wenden. Auch kann die Bewegung des Krankendurch ein über dem Bette an der Decke oder am Fussendc des Bettesbefestigtes Handtuch oder Seil (Krankenaufrichter) erleichtert werden.Hinsichtlich der Arzneidarreichung spricht sich die Sorge für denKrankencomfort dadurch aus, dass, um Verwechslungen zu vermeiden,die innerlichen Medicamente mit einer weissen, die äusscrlichen miteiner blauen oder andersfarbigen Signatur bezeichnet werden (1830), aufder stets die Zwischenräume des Einnchmcns und die verordnete Arznei-menge vermerkt werden. Die Arzneiflaschen sind wohlverschlosscn inWasser zu stellen, ebenso die Einnehmegeräthc: Kaffeelöffel, Esslöffel,Schale und Becher, die von Metall sein müssen. Zum Eingeben vonTropfen überzieht man nach Martin die Oeffnung des Arzneiglases miteinem Stückchen befeuchteter Blase, das rings mit einem Faden be-festigt und mit einer Nadel doppelt durchbohrt wird (Vorläufer derTropfflaschen). Als Erfrischungsmittel Avcrdcn besonders Mandelmilchlund Oitronenlimonade, falls der Status morbi sie zulässt, empfohlen,über deren Bereitung einfache und praktische Vorschriften gegeben.Pulver werden in Wasser, oder in Oblate gehüllt, verabreicht.OTystiere werden in Seitenlage mit der Clystierspritze gegeben,welche durch mehrfaches Vollziehen mit Seifenwasser gut gereinigtist. Der Filz des Stempels wird mit Oel, Butter oder Schmalz be-schmiert, damit er nicht austrocknet. Als Ansatzstück dient ein