Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
18
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18 V. .lacobsohn ,

verursachen-. Seine Schuhe müssen entweder von Filz oder wenigstensmit solchen Sohlen belegt sein; eine Schürze mit mehreren Taschen wärefür ihn sehr gut. Von allen diesen Kleidungsstücken müssen mehrerevorräthig sein, und die, welche etwa in einer bösartigen Krankheit ge-braucht worden sind, vor der Hand nicht wieder bei einem andernKranken gebraucht werden, bis sie gehörig gelüftet und gereinigt worden".Ausser dem wachsenden Einfluss der Aerzte auf die Gestaltung derKrankenpflege, welcher sich in den ersten Jahrzehnten unseres Jahr-hunderts bemerkbar macht und seinen Ausdruck vor Allem in der Be-gründung von ärztlich geleiteten Krankenpflegeschulen im Anschluss andie grösseren Hospitäler der Städte findet, ist ein wesentliches Momentfür die Weiterentwickelung der Krankenpflege-Technik in Deutschlandinsbesondere in dem Wiederaufblühen der Pflegethäthigkeit seitens derreligiösen Genossenschaften zu erblicken. Vornehmlich in Süddeutsch-land entfalteten in jener Zeit die Orden der barmherzigen Brüderund Schwestern eine sehr ausgedehnte Thätigkeit, welche um sofruchtbringender und segensreicher sich gestalten konnte, weil siein den nunmehr von den Behörden besser eingerichteten Kran-kenanstalten der Städte unter der Leitung tüchtiger und erfahrenerAerzte vor sich ging und sich nicht mehr ausschliesslich auf die Klösterbeschränkte. So konnte es nicht ausbleiben, dass in der Folgezeitein ungestörter Fortschritt auf dem Felde des Krankencomforts statt-haben durfte. Ein sehr treffendes Bild von dem Niveau desKrankencomforts in den Jahren 18201830 gewinnt man durchdas Studium des vorzüglichen Buches von Anselm Martin: DieKranken- und Versorgungsanstalten in München (München 1834. Franz),dem die nachfolgenden Angaben entstammen. Die Schilderungen be-ziehen sich im Wesentlichen auf das neue allgemeine Krankenhausin München, welches 1813 bezogen, mit barmherzigen Schwestern be-setzt wurde, und als ein Musterhospital jener Zeit angesehen werdenkann. Ohne äussere Pracht und Zierde, allein mit der seinengrossen Zwecken entsprechenden Inschrift: Aegrorum medelae et sola-mini geschmückt, lag es mehrere hundert Schritte von der Stadtentfernt auf erhöhtem, trockenem Erdgründe, von allen Seiten frei,die Wohlthat der Sonne und der gesunden Feldluft geniessend,umgeben von trockenen, grossen Wiesenplätzen, mit einer reizendenAussicht, begrenzt von einem weiten, abwechslungsvollen Horizont.Es bildete ein grosses Viereck, war zwei Stockwerke hoch, mitseiner Hauptfacade gegen Osten gelegen und enthielt 54 Krankensäle,36 Zimmer für einzelne Kranke und Bedienstete des Hauses, eineKapelle, eine Apotheke, eine Badeanstalt und 2 grosse Küchen. Inseiner Länge war es gleichsam in 2 grosse Theile gespalten; den einennahm die Reihe der Krankensäle mit ihren .Vorplätzen, den andernein langer, geräumiger, heller Corridor ein, so dass die Fenster derKrankensäle sich nach aussen, die des Flurgangs aber sich nach innenin die Höfe öffneten. In jedem Gange, sowohl zu ebener Eitle, als im