8 P. Jacobsohn,
für gesunde Menschen bestimmte, ja doch immer der Ausdruck einerweit vorgeschrittenen Cultur ist, während umgekehrt eine weitgehendeBedürfnisslosigkeit in gewissem Sinne auf einen Mangel an Cultur hin-deutet (v. Leyden). Dies gilt auch für den Kranken com fort in vollemMaasse. Erst spät, wenn Wissenschaft und Technik weit fortgeschrittensind, reichen sie sich die Hand, um vervollkommnete und verfeinerteLeistungen hervorzubringen. Die ersten Uranfänge des Krankencomfortsaber reichen bis in die ferne Vorzeit zurück. Schon die alten Oultur-völker kannten und verwendeten einige einfache Utensilien für dieKrankenpflege. Im wesentlichen waren es rundliche Behältnisse ausThon, welche zur Aufnahme der menschlichen Excrete dienten. Auchmetallene Katheter (Ausgrabungen in Pompeji und neuerdings in Badenbei Zürich) wurden bereits im Alterthum vielfach verwendet, um denerschwerten Urinabfluss bei den Kranken zu erleichtern. Desgleichenist der Gebrauch der Schröpfköpfe, welche ursprünglich aus Bronce oderSilber hergestellt wurden, ein sehr alter. Von Umschlägen, Pflastern,Salben zur Linderung der Schmerzen wurde bei den alten Völkern einausgiebiger Gebrauch gemacht. Warmwasser- und Oelbäder wurden zurErfrischung und Erquickung Kranker häufig angewendet. Wunden wurdenmit mildem Oel oder auch Wein verbunden. Clystiere und Darmzäpfchenwurden schon von den alten Aegyptern verabreicht, um dem Krankendie Defäcation zu erleichtern (Papyrus Ebers). Bei den alten Indernwurde zu den Clysticrcn ein Geräth benutzt, das aus einem Ledcrbeuteloder der Blase eines Rindes, Schweines bestand, in welche ein kurzesRohr aus Silber, Gold, Kupfer oder Elfenbein eingebunden war (Sus-ruta, Ayurveda, Buch IV). In ähnlicher Weise wurden die Eingiessun-gen in den Darm auch lange Zeit hindurch bei den Griechen undRömern, ja auch noch bis ins XVIII. Jahrhundert hinein bewerkstelligt.Bezüglich der Entwickelung des Krankencomforts in Hospi-tälern sei erwähnt, dass in Indien bereits im VI. Jahrhundert v. Chr.nach Einführung der buddhistischen Religion ganz gut eingerichteteKrankenhäuser ins Leben gerufen wurden, die von Staatswegen mitAerzten, Arzneimittelniederlagen und Nahrungsmitteln ausgestattet wur-den (vgl. Gurlt, Geschichte der Chirurgie S. 66; Dietrich, diesesHandbuch. Band I. S. 1). In wie weit in ihnen für den Comfortder Kranken im Einzelnen Sorge getragen wurde, ist nicht über-liefert. Auch von Hospitälern der Griechen und Römer ist wenigbekannt; eigentliche öffentliche Krankenhäuser besassen sie wohl kaum.Was die griechischen Krankentempel (Asclepiaiai) anlangt, so boten die-selben Manches für den Comfort der in ihnen untergebrachten Fremdendar, was auch heute noch vom Standpunkt der Krankenhauspflege alsdurchaus wünschonsworth erscheint. Sie waren von Baumpflanzungenund schattigen Hainen, mit Wandelgängen und Ruhesitzen, umgeben,denen, da sie vorwiegend aus Nadelbäumen (Fichten), Cypressen, Lor-beerbäumen, Myrthensträuchern bestanden, ein würziger, kräftigenderDuft entströmte. Im Tempelinnern wurden zeitweise Räucherungen mit