Fürsorge auf dem Gebiete des Kranlcencomforts. 9
wohlriechenden Kräutern und Hölzern vorgenommen. Auch an heilsamenBädern und erfrischenden Quellen fehlte es innerhalb des Tempelbezirksnicht. Diese Krankentempel waren jedoch keineswegs Hospitäler imjetzigen Wortsinne. Auch bei den Römern ist von öffentlichen Kranken-häusern kaum etwas bekannt. Die reichen römischen Grundbesitzerhielten sich auf ihren Landsitzen besondere Krankenwohnungen (Valetu-dinaria), in welchen sie ihre erkrankten Sclaven verpflegten. Ueber dieinnere Ausstattung dieser Krankenräume wissen wir jedoch nichts Näheres.Dagegen ist vor ganz kurzer Zeit in der Nähe von Zürich ein vollstän-diges altrömisches Militärhospital ausgegraben worden; aus dieser That-sache, sowie besonders auch aus den zahlreichen dort gemachten Fundengeht hervor, dass die Krankenpflegetechnik der Römer doch erheblichweiter fortgeschritten war, als man bisher annahm. In Bezug auf denKrankoncom fort sind besonders interessant die aufgefundenen Katheter,Salbentöpfe, Henkelschalen zum Einnehmen und die Maassgefässc fürArzneien mit der Inschrift: „Ein halbes und ein ganzes Pulver". Eigent-liche öffentliche Krankenhäuser für Kranke und Sieche aller Art undaller Stände, welche in grösserem Umfange zur kunstgerechten Heilungund Wiederherstellung der in sie aufgenommenen Kranken errichtetwurden, scheinen indessen erst viel später entstanden zu sein. Im Zu-sammenhange damit steht die Thatsache, dass wir lange Zeit hindurchkeine Spuren von dem Stande des Krankencomforts verfolgen können;indess ist die Entwickelung dieses Gebietes wohl bis in das spätereMittelalter hinein eine ziemlich unbedeutende geblieben^. Erst diegrossartig angelegten Hospitäler des Morgenlandes lassen eine höhereStufe des Krankencomforts erkennen. Besonders berühmt war dasgrosse mansurische Krankenhaus in El - Cahira, welches 1283 mitgrosser Pracht gegründet und zu dessen Unterhalt jährlich fast eineMillion Dirhem zur Verfügung gestellt wurde. Kranke der höchstenwie der geringsten Stände fanden in ihm Aufnahme;, männliche undweibliche „Bettmacher" waren zur Bedienung der Kranken bestimmt,diesen selbst jede Bequemlichkeit dargeboten. Jede Gruppe von Krankenbekam einen besonderen Raum. Vier mit Springbrunnen versehene Sälewaren für die an Fiebern Leidenden bestimmt; ein Hof für die Augen-kranken, einer für die Verwundeten, einer für die, welche am Durchfalllitten, einer für Frauen. Für die Reconvalescenten waren besondereRäume vorhanden (Haeser, Geschichte christlicher Krankenpflege.Berlin 1857). Auch im Abendlande, besonders in Frankreich undItalien, später auch in Deutschland wurden im XII. und XIII. Jahr-hundert zahlreiche grössere Krankenanstalten ins Leben gerufen, die vongeistlichen Krankenpilegeorden verwaltet wurden. Die Mitglieder diesergeistlichen Orden gründeten aber nicht nur die Hospitäler, sondern sieübten auch dauernd in ihnen praktische Krankenpflege aus. In demselbenGrade, in dem nun' die personelle Krankenwartung eine gleichmässigercund geordnetere dadurch wurde, dass die Mitglieder zahlreicher Ordenund Genossenschaften (vgl. Dietrich, Geschichtl. Entwickelung der