Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
773
Einzelbild herunterladen
 

Allgemeine Krankenhäuser; Bautechnik. 773

sind. Im Uebrigen dürfte die Erreichung möglichst günstiger Heilerfolgeauch in idealer Beziehung Grund genug sein, um überall da, wo es dieMittel irgend erlauben, das Pavillonsystem in Anwendung zu bringen.

d) Allgemeine Anordnung der Krankengebäude und Räume.

Die Anordnung der Gebäude einer Krankenanstalt hängt in ersterLinie von der- Form und Geländegestaltung des Bauplatzes selbst ab.Dieselbe muss einen zweckmässigen und bequemen Verkehr zwischen deneinzelnen Theilen der Anstalt nnd nach aussen hin, sowie eine gute Aus-nutzung des frei bleibenden Geländes für Gartenanlagen und eine guteGesammtübersicht ermöglichen. Ferner ist bei der Gebäude-Anordnungdarauf Rücksicht zu nehmen, dass den Krankenräumen in möglichstreichem Maass Sonnenlicht und reine Luft zugeführt werden, die einzelnenGebäude also richtig orientirt werden, desgleichen einen genügenden Ab-stand von einander und eine günstige Stellung zu einander haben. End-lich ist auch die zweckmässige Bildung von Kranken-Abtheilungen, dieTrennung dieser und der Geschlechter u. a. für die Gebäude-Anordnungmaassgebend.

Für einen zweckmässigen Verkehr nach aussen ist es erforderlich,dass die Verwaltungs- und Wirthschaftsräume in der Nähe des Eingangsliegen und von dem Publikum erreicht werden können, ohne den internenBetrieb des Krankenhauses zu stören. Sind die Verwaltungs- und Wirth-schaftsräume in getrennten Gebäuden untergebracht, so darf der Verkehrzwischen denselben nicht zu weitläufig und ebenfalls für die Krankennicht störend sein. Gleichzeitig soll auch die Verbindung zwischen denWirthschaftsräurnen und den Krankengebäuden möglichst gleichmässigund bequem sein, was bei einer grösseren Anzahl der letzteren im All-gemeinen eine centrale Lage der Wirtschaftsgebäude erfordern würde;doch kann oft eine excentrische Lage zweckmässiger sein, wenn dadurchverhütet wird, dass die Krankengebäude durch den Dunst und Rauchder Wirtschaftsgebäude leiden.

Die sonstigen Nebengebäude des Krankenhauses, d. h. das Kessel-und Maschinenhaus, das Eishaus, die Remise, die Desinfectionsanlagcu. s. w. sind ebenso, wie etwaige besondere Wohngebäude für Dienst-und Pflegepersonal, in der Nähe der Wirthschaftsräume, aber etwas ab-seits gelegen, anzuordnen.

Eine besonders sorgfältig gewählte Lage erfordert das Leichenhausan einer ebenfalls abgelegenen, wenig sichtbaren Stelle und an der Grenzedes Grundstücks, von wo durch einen directen Nebenausgang nach einerSeitenstrasse hin die Leichen möglichst unbemerkt entfernt werdenkönnen.

Eine gute Gesammtübersicht muss namentlich von dem Verwaltungs-gebäude aus gewahrt bleiben.

Um den Gebäuden und speciell den Krankenräumen möglichst vielSonnenlicht zuzuführen, müssen die letzteren eine südliche Lage oderwenigstens eine solche mit südlicher Componente haben. Bei Corridor-bauten muss daher die Hauptfront, an der die Krankenräume am besten