Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
772
Einzelbild herunterladen
 

772 F. Ruppel,

Wenn schliesslich innerhalb gewisser Grenzen die Gorridorhospitäler,namentlich die kleineren, im Betrieb billiger, übersichtlicher und be-quemer sind als Pavillonhospitäler mit gleicher Bettenzahl, so wird mandem Corridorsystem bei den meistens knapp bemessenen Baumitteln undbei der Möglichkeit, durch zweckmässige Raumdisposition und Anwendungder reich entwickelten Mittel der Gesundheitstechnik, allen wesentlichenhygienischen Forderungen gerecht werden zu können, seine Berechtigungbei kleineren und selbst mittelgrossen Anstalten keineswegs absprechenkönnen.

Von einem rein hygienischen Standpunkt betrachtet, wird man in-dessen auch bei kleineren Hospitälern dem Pavillonsystem den Vorzuggeben müssen, da hierbei dem Wohle der Kranken durch vollständigeAbsonderung von der Verwaltung und der Oeconomie, sowie durch mög-lichste Zerstreuung der Kranken und Trennung der einzelnen Abtheilungenin besonderen Gebäuden, ferner durch die in den Pavillonsälen gewähr-leistete bessere Zuführung von Licht und Luft zu den Krankenbetten u. s. w.besser Rechnung getragen wird.

Die Uebersicht und Controle der einzelnen Krankenabtheilungen lässtsich dadurch unschwer aufrecht erhalten, dass, wie bereits früher ange-deutet, die Pavillons je einer besonderen ärztlichen oder, anderweitigenverantwortlichen Aufsicht unterstellt werden, sodass es dem dirigirendenArzt leicht möglich sein wird, den Schuldigen zu ermitteln und zurVerantwortung zu ziehen und dadurch die Disciplin gut zu handhaben.

Einen nicht unerheblichen Vortheil bietet auch das Pavillonsysteminsofern, als dasselbe eine organische Erweiterung des Kranken-hauses gestattet, ohne dass eine Störung des bestehenden Theils herbei-geführt wird.

Man kann sich daher bei der ersten Anlage leichter auf das zu-nächst vorliegende Bedürfniss beschränken und dadurch Zinsvcrluste ver-meiden, welche der Corridorbau mehr oder weniger bedingt, weil es sichhierbei wegen der schwierigen Erweiterung empfiehlt, von vornhereineine grössere Reserve von Krankenräumen vorzusehen.

Als einziger, leider in der Regel schwer in die Waagschaale fallen-der Nachtheil des Pavillonsystems ist der grössere Kostenaufwand zubezeichnen. Das Zerstreuungssystem erfordert naturgemäss einen grösserenBauplatz als ein Corridorbau, sodann aber auch grössere Baukostenwegen der getrennten Errichtung von Gebäuden für die einzelnen Zweigeder Anstalt und wegen der ausgedehnteren Nebenanlagen, Entwässerung,Wasserversorgung, Einfriedigungen, Transporteinrichtungen u. s. w., end-lich auch grössere Betriebskosten.

Es sollte demgegenüber aber nicht unbeachtet bleiben, dass diesemmateriellen Nachtheil ohne Zweifel auch grosse national-öconomische,allerdings nicht zahlenmässig zu belegende Vortheile, bestehend inbesseren Heilerfolgen, schnellerer Gesundung der Kranken, also Ver-kürzung der Verflegungszeit u. s. w., gegenüberstehen, die den Nach-theil eines grösseren Kostenaufwands vollkommen aufzuwiegen im Stande