Allgemeine Krankenhäuser; Bautechnik. 765
weitere Projectirung und Ausführung sich gründet, die zweckmässige Ge-staltung und der hygienische Werth des Krankenhauses eng verknüpft ist.In den folgenden Erörterungen sollen diejenigen Gesichtspunkte be-sprochen werden, welche allgemein bei der Aufstellung des Bauprogrammsund bei der Ausführung von Krankenhausbauten zu beachten sind, währendauf besondere Einrichtungen in selbstständigen Special-Krankenhäusern,Irrenanstalten, Entbindungsanstalten, Heilanstalten für Lungenkranke,Siechenhäusern, Anstalten für bestimmte ansteckende Krankheiten u. s. w.hier nicht weiter einzugehen sein wird, da dieselben, wenn erforderlich,an den entsprechenden Stellen bei der Beschreibung dieser Anstaltenerläutert werden.
a) Die Zahl der in einem Krankenhause aufzunehmenden
Kranken.
Die Frage, für wie viele Betten das Krankenhaus eines gewissenBezirks einzurichten sei, um dem Bedürfniss zu genügen, ist vonmancherlei Umständen abhängig, die meistens örtlicher Natur sind. Einebestimmte Norm lässt sich hierfür schwerlich aufstellen. Ist damit zurechnen, dass das allgemeine Krankenhaus hauptsächlich nur von einerweniger bemittelten Bevölkerungsklasse aufgesucht wird, die in dereigenen Häuslichkeit nicht genügende Verpflegung finden kann, so hängtdie Zahl der vorzusehenden Betten zunächst von dem allgemeinen Wohl-stand der Bevölkerung des betreffenden Bezirks ab. Ebenso spielt auchdie hauptsächlichste Art der Beschäftigung dieser Bevölkerung eine ge-wisse Rolle, da z. B. in Fabrikdistricten und in grossen Verkehrscentrenverhältnissmässig mehr Kranke vorhanden sind, als in Bezirken mitländlicher Bevölkerung.
Auch die klimatischen Verhältnisse haben bei verschiedenen Gegen-den und Orten vielfach einen grossen Einfluss auf den allgemeinen Ge-sundheitszustand und somit auch auf die Frage der Ermittelung des Be-dürfnisses an Krankenbetten.
Die in dieser Beziehung von verschiedenen Hospitaishygienikerngemachten Angaben weichen ebenso erheblich von einander ab, wie nachden medicinal-statistischen Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesund-heitsamt und anderen Statistiken die Zahl der Betten im Verhältniss zuderjenigen der Einwohnerzahl sowohl in den einzelnen deutschen Landes-theilen, wie in den einzelnen deutschen Städten verschieden ist. Ganzallgemein wird man etwa für grossstädtische Verhältnisse auf je 1000Einwohner nicht unter 5 Krankenbetten anzunehmen haben, während inländlichen Districten für eine gleiche Einwohnerzahl 1—2 Krankenbettensenügen können. Wenn diese Zahlen bisher auch wohl ausreichend ge-wesen zu sein scheinen, so ist doch zu beachten, dass seit dem Bestehender Gesetze über Krankenversicherung u. s. w. der Procentsatz der-jenigen Kranken, welche eine Verpflegung im Krankenhaus derjenigen inder eigenen Häuslichkeit vorziehen, stetig wächst, und zwar um so mehr,als die neueren Krankenanstalten in Folge ihrer stetig fortschreitenden