Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
764
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764 F. Ruppel,

je mehr ausserdem das Gebäude neben den eben genannten Haupt-zwecken der Krankenpflege den hygienischen Anforderungen ent-spricht. Nach den letzteren sollen alle Räume jederzeit einen gesundenAufenthalt bieten und daher nicht nur gesund gebaut -werden, sondernauch gesund zu erhalten sein.

Die wesentlichsten Factoren für die Salubrität eines Krankenhausessind frische, reine Luft, Licht und Sonnenschein. Diese müssen allenRäumen in möglichst reichem Maass zugeführt werden. Da aber die Lulteines Krankenhauses mehr als diejenige gewöhnlicher Wohnräume fort-während der Verderbniss ausgesetzt ist, so muss auch durch geeigneteMaassnahmen unausgesetzt für eine Reinhaltung und Erneuerung der Luftgesorgt werden. Dies bedingt ausser einer guten Lüftungsanlage auchsolche Mittel, welche eine Staubbildung verhindern, überhaupt eine mög-lichste Reinhaltung aller Theile des Krankenhauses gestatten. DerArchitekt hat daher bei der Errichtung des letzteren in besonderemMaass dafür zu sorgen, dass durch die baulichen Oonstructionen, nament-lich auch durch eine gute Beleuchtung aller Theile des Gebäudes diesenForderungen leicht und in gründlicher Weise entsprochen werden kann.

Ferner hängt auch die Salubrität eines Krankenhauses ab von derGüte der Baumaterialien und der Bauausführung. Es müssen alle solcheMaterialien, welche Feuchtigkeit in reichem Maasse aufnehmen, Stauberzeugen, porös, leicht inficirbar und schwer zu reinigen sind, möglichstausgeschlossen werden. Andererseits ist auf die Verwendung guter Ma-terialien, insbesondere von Stein, Glas, Eisen u. dgl., sowie auf einesolide Bauausführung, allerdings unter Vermeidung von unnöthigem Luxus,Gewicht zu legen, zumal die im Interesse der Solidität aufgewendetenhöheren Kosten auf die Dauer nicht nur durch entsprechende Vortheile fürdie Krankenpflege, sondern auch in materieller Beziehung durch Vermei-dung kostspieliger Unterhaltung u. s. w. reichlich aufgewogen werden.

Freilich tritt dann auch, wenn der Krankenhausbau den Anforde-rungen der Gesundheits- und Krankenpflege entsprechend hergestellt ist,an die Verwaltung die Pflicht heran, durch peinlichste Reinhaltung allerTheile diesen Forderungen in jeder Weise gerecht zu werden, denn woletztere vernachlässigt wird, da werden auch die besten Einrichtungeneines Krankenhauses sehr bald werthlos gemacht, wie umgekehrt durchHandhabung guter Ordnung und strengster Sauberkeit manche Mängeleines Baues vollständig wettgemacht werden können.

3. Das Bauprogramni.

Bevor an die Projectirung und Einrichtung eines Krankenhausesherangegangen werden kann, müssen zunächst mancherlei Vorfragenüber die Zahl der unterzubringenden Kranken, Wahl des Bauplatzesund des Bausystems; Vertheilung der Kranken, sowie über das all-gemeine Raumbedürfniss einer eingehenden Erwägung unterzogen underledigt werden, da mit der richtigen Lösung dieser Fragen, auf denen die