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1 (1899)
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755
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Sonderanstalten und Fürsorge für Sieche (Kreispflege-Anstalten). 755

im Allgemeinen anzunehmen sein, dass eine solche, wenn sie auf billigeVerpflegung abhebt, nicht unter 300 Bewohner haben soll, aber in auf-steigender Richtung auch nicht über ein gewisses Maass, nicht gern über600 und als höchst zulässige Zahl nie über 750800 Personen hinaus-gehen darf, um noch gehörig übersehen und geleitet werden zu können.

13. Beschäftigungen.

Wie wir schon gesehen haben, ist das Leben und Treiben in solchenAnstalten gegenüber einem Krankenhaus ein höchst mannigfaltiges. Eshat seiner Zeit nicht wenig überrascht, als diese Anstalten bezüglich derUnfallversicherung in die Nahrungsmittel-Bcrufs-Genossenschaft eingereihtwurden; es musste dies aber als wohlbegründet und richtig anerkanntwerden, da ja das Wesen einer solchen Anstalt doch immer als eingrosser wirtschaftlicher Betrieb oder Apparat zu betrachten ist, mitwelchem man eine erhebliche Zahl armer, hilfloser Mitmenschen ernährtund pflegt. Eigentlich ist es eine Vereinigung von verschiedenen Be-trieben und Gewerben, welche ähnlich einem industriellen Geschäfte sichgegenseitig ergänzen und helfend in einander greifen oder ein grosserHaushalt, an dem jedes Glied der Familie nach Kräften an seinerStelle mithilft zum Gelingen des Ganzen. So müssen in solchen An-stalten Arbeitsstätten für verschiedene Handwerker eingerichtet werden:für Schneider und Näherinnen, für Schuster, Schreiner, Glaser, Korb-macher, Schlosser, Blechner, für welche immer Arbeit genug da ist;mit alten Maurern und Verputzern können manche nützliche Ergänzungen,Aenderungen oder Ausbesserungen ausgeführt werden; die alten Malerhelfen vieles wieder verschönern; die Presthaften, körperlich Unbeholfe-nen können beim Sitzen zum Zusammenlegen von Düten, zum Verlesenvon Kaffee oder Federn, zum Aufnähen von Fabrikknöpfen oder Perlenangehalten werden. Eine hervorragende, gesunde und ertragreiche Ar-beit für kräftigere Männer bietet die Spatencultar, die Gärtnerei und,wo es angeht, auch der Rebbau oder Obstpflanzungen.

Von den Frauen findet eine grössere Anzahl täglich Arbeit bei der Wäsche,wobei 'im Allgemeinen das einfache Verfahren des Waschens mit Händenvorzuziehen ist den umständlichen maschinellen theueren Einrichtungen.Es gehört auf die Frauenseite eine grosse Nähstube. Viele beschäftigensich gern mit Stricken oder Häkelarbeiten. Die tauglichsten und rein-lichsten Frauen können beim Kochen und Zurichten der Gemüse be-schäftigt werden, nicht wenige auch bei der Pflege der Kranken sichnützlich erweisen.

In den Armen pflege-An stalten soll somit in erster Reihe jedmög-liche Arbeit gepflegt werden, von der man nicht nur materiellen Gewinn,sondern vor allem den besten Erfolg in psychisch-moralischer Hinsichterwarten darf. Die Arbeit ist also in solchen Anstalten zunächstSelbstzweck;die Arbeit bringt jedem nicht ganz verkommenen und verdorbenen, ge-wöhnlich auch den geistig Kranken -eine gewisse innere Befriedigung