Sonderanstalten und Fürsorge für Sieche (Kre'spflege-Anstalten). 751
es nothwendig, ein grösseres bebaubares Gebäude zu nutzbringenderBeschäftigung zu haben, sodann soll dadurch ein gewisses Fernhaltenvon etwa störender Umgebung geschaffen werden; auch ist es geboten,von vornherein Rücksicht zu nehmen auf ein etwaiges späteres Bedürfnissund erforderlich die Baulichkeiten nach einem einheitlichen Plane so zustellen, dass ein oder mehrere Erweiterungsbauten ohne Störung undohne Nachtheil der ursprüglichen Anstalt eingereiht werden können;denn es liegt in der Natur der Sache, dass bei dem steten Wachsender Bevölkerung das Proletariat in noch stärkerem Maasse zunehmenwird, dass demnach an eine Verminderung der Ansprüche an die Armen-pflege in keiner Weise zu denken sein dürfte. Die socialen Versiche-rungsgesetze haben in dieser Beziehung die Hoffnungen noch nicht er-füllt, die man darauf setzte. Die Anforderungen werden eher noch indem Grade anwachsen, als die Fürsorge für die Armen und Krankennach den gesteigerten humanen Grundsätzen unserer Zeit eine immerbessere wird und die Scheu der Armen vor öffentlichen Anstalten mehrverschwindet, denen sie bisher gewöhnlich das Elend und die Entbehrungenihrer eigenen dürftigen Häuslichkeit vorgezogen haben.
Die wichtigste Aufgabe bei der Absicht, eine grosse Anstalt zubauen, wird die sorgfältige Auswahl des rechten Bauplatzes bilden.Gar vieles wird von der örtlichen Lage abhängen, als deren erste undunerlässliche Erfordernisse zu bezeichnen sind: Schutz gegen heftige,zumal nördliche Windströmungen, Umgebung von frischer, lebhafterVegetation (Gärten, Wiesen, AVald etc.), ferner besonders hinreichendgutes und gesundes Wasser aller Art und endlich freies, höher gelegenes,trockenes Baugelände mit natürlicher Entwässerung etc. etc.
Dass unter allen Umständen nur ein rationell angelegter völligerNeubau vorzuziehen ist einer etwaigen Verwerthung von vorhandenenanscheinend billigeren älteren Baulichkeiten, dürfte nun nach den allent-halben gemachten Erfahrungen keinem Zweifel mehr begegnen; denn nurin einem Neubau können, abgesehen von der zweckmässigeren Stellungder Gebäude zu einander, die wirthschaftlich-hygienischen, wie praktisch-technischen Einrichtungen der Neuzeit angebracht werden, welche durchVereinfachung des Betriebes und fortlaufende Ersparnisse in kurzer Zeitdie Mehrkosten eines Neubaues einbringen.
Die Gruppirung der einzelnen Gebäude samint der Küche in un-mittelbarem Zusammenhang oder unter ein Dach, etwa in ein geschlossenesViereck ist zum vorhinein zu verwerfen, weil dadurch der nöthigen Luftund dem Lichte der Eintritt verwehrt wird.
9. Art und Stellung der Gebäude.
Die Aufstellung eines richtigen Bauprogrammes kann nur von demangegeben werden, welcher mit den zahlreichen Bedürfnissen und derVerwaltung einer solchen Anstalt wohl vertraut ist und sollte ja nie